U-21-EM in Tschechien : Deutschland gehen die Stürmer aus

Die deutsche U 21 hat kaum echte Stürmer. Doch heute könnte das der Mannschaft im Spiel gegen Dänemark auch von Vorteil sein.

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Zentrale Rolle. Kevin Volland (links) war auf der Außenbahn vom Spiel abgeschnitten, mit ihm als falschen Neuner vorne lief es besser.
Zentrale Rolle. Kevin Volland (links) war auf der Außenbahn vom Spiel abgeschnitten, mit ihm als falschen Neuner vorne lief es...Foto: dpa

Berlin - Vielleicht hat Mladen Dodic sich nach einer guten Stunde innerlich für seinen phänomenalen Fußballsachverstand belobigt. Es war der Moment, in dem eine Flanke in den Strafraum flog, in dem Philipp Hofmann seine 1,95 Meter in die Höhe wuchtete und den Ball mit der Stirn Richtung serbisches Tor platzierte. Der Ball flog knapp am Pfosten vorbei ins Toraus. Aber hatte Dodic, der Trainer der Serben, es nicht gesagt? Hatte er nicht vor Hofmann gewarnt, den er für einen der drei gefährlichsten Deutschen hält? Es war allerdings das einzige Mal, dass der Stürmer des Zweitligisten 1. FC Kaiserslautern im Auftaktspiel der deutschen U 21 bei der Europameisterschaft in Tschechien auffiel. Zumindest positiv.

Mit den Deutschen und ihren Stürmern ist das inzwischen so eine Sache. Seit Jahren herrscht auf dieser Position ein Mangel, zumindest wenn man das klassische Anforderungsprofil als Maßstab anlegt. Den typischen Mittelstürmer, wie der heutige U-21-Nationaltrainer Horst Hrubesch früher einer war, gibt es kaum noch. Stefan Kießling und Mario Gomez fallen einem noch ein oder Pierre-Michel Lasogga. Dass sie alle in der A-Nationalmannschaft keine Rolle spielen, kommt nicht von ungefähr. Und dass die Position in der U 21 von Hofmann besetzt wird, spricht nicht gegen den Trend zur hybriden Mischform zwischen Angreifern und Mittelfeldspielern. Der Lauterer hat in der abgelaufenen Saison gerade mal sechs Tore in der Zweiten Liga erzielt. Ob es beim 22-Jährigen für die ganz große Karriere reichen wird, ist zumindest fraglich.

Gegen die Serben nahm Hrubesch Hofmann 20 Minuten vor dem Ende vom Platz, weil er nach dem Platzverweis gegen Christian Günter sein Team umbauen musste. Kevin Volland rückte von der Seite als falscher Neuner in die Spitze – und es war frappierend, wie sich in der Folge das deutsche Spiel änderte. Zuvor war nicht nur Hofmann weitgehend vom Geschehen abgeschnitten gewesen, sondern auch Volland. Mit dem Hoffenheimer in der Spitze ergab sich dann trotz Unterzahl ein ganz anderer Fluss im deutschen Spiel. Es wird spannend zu sehen sein, welche Schlüsse Hrubesch aus dieser Erkenntnis für das zweite Gruppenspiel heute gegen Dänemark (20.45 Uhr, live im ZDF) ziehen wird.

Für Hrubesch ist es die zweite EM-Endrunde mit der U 21. Vor sechs Jahren hatte er – wenn auch schweren Herzens – weitgehend auf einen Stoßstürmer verzichtet. „Ich haben keinen echten Goalgetter“, hatte er damals gesagt. Allein Sandro Wagner passte in dieses Profil, „aber für ihn wird es auf diesem Niveau nicht einfach werden“. Anstelle des heutigen Herthaners ließ Hrubesch Mesut Özil in der Spitze spielen, nur im Finale gegen England stand Wagner in der Startelf – und erzielte zwei Tore.

Es ist nicht ungewöhnlich, dass eine Mannschaft am Ende eines Turniers ein anderes Aussehen hat als zu dessen Beginn. Ungewöhnlich ist, dass sich die Entwicklungen bei der U 21 gerade zu wiederholen scheinen. Die U-21-Europameister von 2009 mit den späteren Weltmeistern Manuel Neuer, Mats Hummels, Jerome Boateng, Benedikt Höwedes, Sami Khedira und Mesut Özil werden in der Nachbetrachtung ein wenig verklärt. Auch vor sechs Jahren tat sich das Team anfänglich schwer, startete ebenfalls mit einem Unentschieden ins Turnier. Der prominenteste Name in Hrubeschs Kader war damals nicht etwa Özil oder Khedira, sondern Marko Marin, der zu Turnierbeginn über die größte A-Länderspiel-Erfahrung verfügte, dessen Bedeutung jedoch rapide abnahm. Dreimal wurde er ausgewechselt, einmal eingewechselt – und im Finale spielte Marin dann gar nicht mehr.

Ein ähnliches Schicksal droht jetzt Moritz Leitner vom VfB Stuttgart. Bisher hat ihn Hrubesch gegen alle Widerstände geschützt und gestützt. Leitners Talent ist früh aufgefallen, schon mit 17 hat er sein Profidebüt gegeben, sich zuletzt aber nicht mehr weiter entwickelt. Beim VfB spielte er im Februar zuletzt von Anfang an. Trotzdem stand Leitner gegen Serbien in der Startelf, fiel allerdings allein durch eine gemeingefährliche Häufung an Fehlpässen auf. „In der ersten Halbzeit hatten wir Probleme“, sagte Horst Hrubesch. „In der zweiten sind wir im Turnier angekommen.“ Moritz Leitner war da bereits ausgewechselt worden.

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