U-21-EM : Triumph und Zerfall

Das EM-Finale gegen England ist für die deutsche U 21 der letzte Akt – und soll den Titel bringen. Trainer Horst Hrubesch sagt: „Ich verspreche, dass wir weder ein Elfmeterschießen noch eine Verlängerung brauchen."

Gregor Derichs[Malmö]
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Erfolgreicher Heber. U-21-Trainer Horst Hrubesch wird von seinen Spielern schon vor dem EM-Finale auf Händen getragen. Foto: dpa

Vor dem letzten Training im Stadion von Malmö sprach der Kapitän. „Jeder ist fokussiert auf den Titel, jeder ist heiß darauf, das Turnier zu gewinnen“, sagte Sami Khedira in feierlichem Ton. Der Stuttgarter gab gestern die Stimmung wieder, die Trainer Horst Hrubesch in der deutschen U-21-Nationalmannschaft vor dem Endspiel der Europameisterschaft heute gegen England (20.45, live im ZDF) massiv geschürt hat. „Wir stehen im Finale, aber wir haben noch nichts gewonnen. Wenn wir verlieren, stehen wir mit leeren Händen da“, sagte Hrubesch. „Fußball macht doch nur Spaß, wenn man gewinnt.“

Die Binsenweisheiten des 58-Jährigen zündeten bei seinem Personal. Andreas Beck, der mit seinem Tor zum 1:0 gegen Italien in Helsingborg den Weg in das Finale geebnet hatte, beschrieb, dass der Trainer die Siegermentalität vorlebe: „Wir wollen Gewinner sein und die Tugenden, die dafür nötig sind, an den Tag legen.“ Erst am Schlusspunkt eines langen Weges werde die Mannschaft ihre volle Leistungsstärke entfalten, versprach Khedira, der seine Knieverletzung überstanden hat und in die Startelf zurückkehrt.

Jene Mannschaft, die die Gruppenspiele in der Qualifikation nur mühsam und die Play-off-Spiele gegen Frankreich sehr glücklich überstand, steht vor ihrem letzten Akt. Das Team, das im November den Trainerwechsel von Dieter Eilts zu Hrubesch vorgesetzt bekam und personell stark umgebaut wurde, kann Geschichte schreiben für den Deutschen Fußball-Bund (DFB). Es ist der letzte Auftritt der aktuellen U-21-Generation. Vor ihrem Zerfall hat die Elf ihre wichtigste Prüfung zu bestehen. „In der Vorrunde beim 1:1 war es kein gutes Spiel, aber die Engländer hatten ihre Startelf komplett verändert, und uns reichte ein Unentschieden. Diesmal wird das Spiel ein echter Klassiker“, sagte Beck.

Zum Endspiel, das auch eine Zukunftsschau des deutschen Fußballs ist, haben sich viele angesagt. Bundestrainer Joachim Löw und DFB-Teammanager Oliver Bierhoff nehmen die anstrengende Tour vom Confed-Cup-Finale nach Schweden auf sich. Viele Bundesliga-Klubs haben sich angekündigt. Das U-21-Team kann einen besonderen Triumph perfekt machen und zum ersten Mal Europameister werden. Große Fußball-Nationen sind in der Siegerliste seit 1978 vertreten: Italien (5), Spanien (2), England (2), Niederlande (2), UdSSR (2), Jugoslawien (1) Frankreich (1) und Tschechien (1) gewannen die Krone in der ältesten Junioren-Altersklasse – nur Deutschland fehlt. 1982 wurden die DFB-Junioren einmal Zweiter, als das Finale mit Hin- und Rückspiel gegen England (1:3, 3:2) verloren ging. Zweimal war die DDR Vize-Europameister (1978, 1980). Der DFB hat Nachholbedarf, kann aber zugleich durch einen Sieg seiner U 21 einen einzigartigen Erfolg abrunden: Nach EM-Turniersiegen der U 19 im vorigen Jahr und der U 17 in diesem Mai wäre mit einem Sieg gegen England der Hattrick perfekt. Ein Triple ist noch keinem europäischen Verband gelungen.

Bei der Aufstellung für das Finale dürfen die Spieler mit entscheiden. Ob für Ashkan Dejagah (Wolfsburg), der wegen einer Gelbsperre ersetzt werden muss, Sandro Wagner (Duisburg) ins Team rückt, lässt Horst Hrubesch diskutieren. „Wir haben den Vorteil, dass wir nicht in die Verlängerung mussten und einen Tag mehr Pause vor dem Halbfinale hatten“, sagt der Trainer. „Ich verspreche, dass wir weder ein Elfmeterschießen noch eine Verlängerung brauchen. Wir entscheiden das Finale in 90 Minuten für uns.“

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