U-21-Europameisterschaft : Hrubeschs Team auf Mission Titelgewinn

Bei der Europameisterschaft in Schweden startet das deutsche U-21-Fußballteam gegen Spanien. Die Deutschen gelten als überdurchschnittlich besetzt, haben aber bisher kaum nachgewiesen, dass sie mehr sind als eine Ansammlung von Individualisten. Das soll sich nun ändern.

Gregor Derichs[Göteborg]
Hrubesch
Horst Hrubesch. -Foto: dpa

Gemessen an der Bedeutung, die der Deutsche Fußball-Bund (DFB) dem Turnier verliehen hat, ist Horst Hrubesch die Ruhe in Person. Als der 58-Jährige die hohen Ziele ansprach, deren Erreichen eigentlich ein Ding der Unmöglichkeit zu sein scheint, wirkte er so gelassen, als würde er seinen Hobbys, dem Angeln oder der Zucht von Haflinger-Pferden, nachgehen. „Wir sind nach Schweden gekommen, um den Titel zu gewinnen. Wenn man bei so einem Turnier dabei ist, muss man dieses Ziel haben. Alles andere macht doch keinen Sinn“, sagte Hrubesch im deutschen Quartier in Lerum.

Die deutsche U-21-Nationalmannschaft beginnt am Montag (20.45 Uhr, live im ZDF) unter der Leitung des Europameisters von 1980 im Ullevi-Stadion in Göteborg gegen Spanien eine komplizierte Mission. Das Team gilt zwar als überdurchschnittlich gut besetzt, hat aber bisher nur selten nachgewiesen, dass es mehr ist als eine Ansammlung von Individualisten.

Dennoch strebt der DFB nach den EM-Titelgewinnen der jüngeren Alterstufen bei der U 17 in diesem Mai und der U 19 im Herbst danach, endlich auch mit den U-21-Junioren einmal Europameister zu werden. „Wir sind den Nachweis schuldig, dass wir zur Weltspitze gehören“, sagt DFB-Sportdirektor Matthias Sammer. Dieter Eilts, der das Team durch die mühevolle Qualifikation führte, wurde dies nicht zugetraut, er musste deswegen gehen. Auftaktgegner Spanien mit Barcelona-Jungstar Bojan Krkic ist einer der Favoriten, den Hrubesch aber nicht fürchtet.

Dass der DFB dem Turnier besondere Bedeutung beimisst, beweist auch die Tatsache, dass sich Bundestrainer Joachim Löw und DFB-Teammanager Oliver Bierhoff angekündigt haben. Das Team ist qualitativ so gut besetzt wie seit dem Beginn der Achtzigerjahre nicht mehr, als der DFB als beste Platzierung einen zweiten Platz erreichte und mit Rudi Völler den besten Spieler des Turniers stellte. In Manuel Neuer (Schalke), Marko Marin (Gladbach), Andreas Beck (Hoffenheim), Mesut Özil (Bremen) und Gonzalo Castro (Leverkusen) stehen fünf A-Nationalspieler im Kader der 23 Jungprofis. Noch nie waren so viele U-21-Nationalspieler Stammkräfte in ihren Vereinen. Sie sind sogar echte Leistungsträger wie Sami Khedira in Stuttgart oder Benedikt Höwedes bei Schalke 04, deren Berufung in die A-Mannschaft Löw bereits angekündigt hat.

Gegen Spanien wird Horst Hrubesch Özil (Bremen) und Ashkan Dejagah (Wolfsburg) im Angriff aufbieten. Rouwen Henning (Osnabrück), der während der Qualifikation acht Tore erzielte, wurde wegen Fitnessmängeln nicht berücksichtigt. Beim DFB hofft man, dass Hrubesch, der selbst mit dem Fußball arbeitete und kämpfte, den glänzenden Individualisten aus dem aktuellen Ensemble am besten beibringen kann, wie sie gemeinsam gewinnen können.

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