U-21-Nationalmannschaft : Scheitern leicht gemacht

Stefan Hermanns bemängelt den Modus der Nachwuchsturniere

Stefan Hermanns

Die jüngsten Erfolge der deutschen Nachwuchsfußballer haben in der allgemeinen Wahrnehmung zu einer gewissen Verzerrung geführt: U 17, U 19, U 21 – alle Europameister, der deutsche Fußball steht folglich vor einer goldenen Zukunft. Von wegen. Die statistische Häufung an Titeln mag zwar auf eine Gesetzmäßigkeit hindeuten, in Wirklichkeit aber spielt der Zufall weiterhin eine unangemessen große Rolle.

Selbst die deutsche U 21, die gerade Europameister geworden ist, war in gewisser Hinsicht ein Zufallsprodukt. 60 Kandidaten haben Dieter Eilts und Horst Hrubesch im Laufe von zwei Jahren – im wahrsten Sinne – ausprobiert, bis sie am Ende eine turniertaugliche Mannschaft destilliert hatten. Das liegt in der Natur der Sache: Spieler, die derzeit die besten ihres Jahrgangs sind, können schon in zwei Jahren in den Tiefen der Regionalliga verloren gegangen sein. Umgekehrt spielt vielleicht heute noch weitgehend unerkannt ein 18-Jähriger in der Jugend von Greuther Fürth, der bis 2011 einen riesigen Entwicklungssprung gemacht haben wird.

Die neue deutsche U 21, die am Freitag mit einem 6:0 gegen San Marino in die EM-Qualifikation gestartet ist, befindet sich also zwangsläufig noch auf der Suche nach sich selbst. Trotzdem muss sie bereits am Dienstag gegen Tschechien antreten. Nur einer von beiden schafft es als Gruppenerster in die Play-offs, in denen dann ein weiterer starker Gegner wartet. Am Ende bleiben acht Mannschaften für die Endrunde. Strenger kann die Auslese kaum sein. Dem Zweck, junge Talente an den Profifußball heranzuführen, ist sie ganz sicher nicht förderlich. Im Gegenteil: Der Modus nimmt vielen hoffnungsvollen Fußballern die Möglichkeit, sich mit den stärksten Spielern ihres Alters zu messen. Deutschlands U 19 zum Beispiel. Die ist im Sommer – als Titelverteidiger – auf dem Weg zur EM schon in der Qualifikation gescheitert. Ein Desaster? Nein, eher ein Fehler im System.

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