U21-EM in Israel : Deutschland droht gegen Spanien das EM-Aus

Im Falle einer Niederlage gegen Spanien am Sonntagabend fände die EM in Israel für die deutsche U21-Nationalmannschaft ein frühes Ende. "Wir wollen jetzt gegen die Spanier gewinnen, um im Turnier zu bleiben", sagt Pierre-Michl Lasogga.

Stefan Osterhaus
Auf dem Boden der Tatsachen: Kapitän Lewis Holtby hofft auf einen Lerneffekt.
Auf dem Boden der Tatsachen: Kapitän Lewis Holtby hofft auf einen Lerneffekt.Foto: dpa

Für einen Augenblick musste er in die Rolle des Veteranen schlüpfen. Und das mit gerade 23 Jahren. Er sei doch besonders wichtig für die Mannschaft. Denn er habe ja Endspielerfahrung, das bekam er von allen Seiten zu hören. Natürlich habe er die, meint Sebastian Rudy und lachte. Zweimal stand er zuletzt in solchen Duellen, mit Hoffenheim gegen den 1. FC Kaiserslautern in der Relegation. Rudy bestand die Nervenprobe, doch er ist sich nicht ganz sicher, ob ihm dies helfen wird im wohl schon entscheidenden Spiel der deutschen U-21-Nationalelf gegen Spanien. „Das wird doch ein komplett anderes Spiel.“ Einzige Gemeinsamkeit: „Es geht um alles. Und jeder weiß, worum es geht.“

Im Falle einer Niederlage gegen Spanien findet die Europameisterschaft für die Deutschen ein frühes Ende. Zum Auftakt gegen die Niederlande, bei der turbulenten 2:3-Niederlage, gehörte Rudy zu den Besten. Sein Elfmetertor gegen den Turnierfavoriten brachte die Deutschen zurück ins Spiel, doch wenn Rudy eines gelernt hat aus dieser Niederlage, war es der Umstand, dass man vor allem dann nicht zu viel erreichen wollen sollte, wenn man schon viel erreicht hat. Wenn sich die Deutschen nach dem 2:2 mit einer Punkteteilung zufrieden gegeben hätten, würde vielleicht nicht am Sonntagabend in Netanya (20.30 Uhr, live bei Kabel1) ein Endspiel anstehen. Hertha-Stürmer Pierre-Michel Lasogga hat die Aufgaben verstanden: „Wir wollen jetzt gegen die Spanier gewinnen, um im Turnier zu bleiben.“ Für den Angriffskollegen Peniel Mlapa (Gladbach) ist die EM bereits zu Ende. Ein Muskelfaserriss bedeutet das Aus. Kevin Volland, der Hoffenheimer, der Mlapa nach seiner Verletzung ersetzte, dürfte nach seinem guten Auftritt erste Wahl sein. Auch mit Lasogga harmonierte Volland gut.

Mannschaftskapitän Lewis Holtby (Tottenham) sagt: „Für jeden, der auf dem Platz stand, war das eine Erfahrung.“ Die Welt sei mit der Auftaktniederlage nicht untergegangen, man müsse positiv nach vorn sehen. Vorn, da stehen die Spanier, die sich mit einem Sieg aller Sorgen um das Weiterkommen entledigen könnten. „Gerade im Offensivbereich haben die überragende Qualitäten. Wir müssen unser Spiel durchziehen, sie nicht ihr Spiel machen lassen“, sagte der Gladbacher Patrick Herrmann. Der Gegner imponiere ihm. Spanien hätte eine „sensationelle Jugendarbeit“, die sich auch in der Klasse der Mannschaft spiegele. Das verleiht dem Duell eine besondere Brisanz: Es stehen sich die beiden prägenden Fußballschulen Europas der letzten Jahre gegenüber. Und bisher gewannen fast immer die Spanier, die als Titelverteidiger nach Israel gereist sind.

Die Qualitäten, die den Welt- und Europameister auszeichnen, waren auch schon in Israel zu beobachten. Im ersten Spiel gegen Russland (1:0) exerzierten sie ihr Kurzpassspiel nahe der Perfektion. Ihre Kombinationssicherheit war frappierend, mitunter war es ein Klassenunterschied. Ihr prominentester Spieler ist David de Gea, der Torwart von Manchester United, ihr Spielgestalter ist Isco aus Malaga. Cristian Tello und Thiago Alcantara sind zwar noch keine Stammkräfte beim FC Barcelona, doch sie kommen auf gut 20 Einsätze pro Saison. Flügelstürmer Iker Muniain aus Bilbao gilt als eines der größten Talente der gesamten Primera Division. Ein Außenstürmer der Extraklasse, klein, wendig, enorm ballsicher und in seinen Bewegungen kaum auszurechnen. Schon jetzt wird Muniains Transferwert auf knapp 20 Millionen Euro taxiert.

Nur ein Manko offenbarten die Spanier beim Spiel gegen die Russen: Die Chancen wurden nicht verwertet, das knappe Ergebnis entsprach nicht im Ansatz ihrer Überlegenheit. Doch sind die Spanier tatsächlich stärker als die Niederländer, die mit einem Dutzend A-Nationalspieler angetreten sind? Für Deutschlands Trainer Rainer Adrion spielt dies gar keine Rolle. „Sie sind verwundbar, wenn man die Angriffe stoppt und schnell umschaltet. Dann tun sich auch bei ihnen Lücken auf, dass es einen Augenblick dauert, bis es zum Gegenpressing kommt.“ Klingt zumindest in der Theorie äußerst einleuchtend.

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