Sport : Über Budapest nach Peking

Frank Bachner

Zweimal hat in den letzten Jahren der Cheftrainer des Deutschen Schwimmverbandes gewechselt. In beiden Fällen verbindet man damit einen Umbruch. Nachdem Ralf Beckmann vor sechs Jahren gekommen war, einte er eine zerstrittene Mannschaft. Sein großes Ziel, die Professionalisierung seines Teams, scheiterte an dem Vertragspoker, den er verlor. Jetzt ist Örjan Madsen sportlicher Chef, er wird die Professionalisierung fortsetzen, die überfällig ist.

Madsen will nicht bloß Einzelsportler an der Weltspitze haben, er will eine ganze Gruppe von Medaillenkandidaten besitzen. 170 Tage im Jahr sollen die Athleten im Training oder im Wettkampf dafür schwitzen, er will quasi eine Profitruppe. Die deutschen Schwimmer haben immer noch Reserven, beim Training und im mentalen Bereich. So wirkte Helge Meeuw im Jahr 2005 ein wenig übergewichtig. Ein Jahr später, nach hartem Training, schwamm er zwei spektakuläre Europarekorde. Bei der EM in Budapest gilt er als größte deutsche Medaillenhoffnung. Nicht alle Schwimmer können Madsens Konzept des Vollprofis vollständig umsetzen, aber das macht nichts. Es geht ums Anspruchsdenken. Unter Madsen steigt der Erfolgsdruck auf alle. Allerdings ist die aktuelle EM noch nicht der Praxistest für das Konzept des Norwegers. Das greift erst ab September, weshalb der gestrige Weltrekord über 4 x 100 Meter Freistil der Frauen nur bedingt dem neuen sportlichen Chef angerechnet werden kann. Was Madsen erreicht hat, wird man in zwei Jahren beurteilen können. Bei Olympia in Peking.

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