Sport : Über die Zeit gerettet

Der FC Bayern gewinnt in Unterzahl 1:0 in Lissabon

Christian Schreider[Lissabon]

Es ist mehr als drei Monate her, dass Deutschland im Spiel um den dritten Platz bei der Weltmeisterschaft Portugal mit 3:0 besiegte. Die Erinnerung an die beiden Weitschusstore von Bastian Schweinsteiger aus diesem Spiel war aber sofort wieder da, als der Mittelfeldspieler von Bayern München Portugals Nationaltorhüter Ricardo aus fast drei 30 Metern mit einem platzierten und harten Schuss bezwang. Ricardo stand gestern Abend im Tor seines Vereins Sporting Lissabon und war in dieser Szene nach zwanzig Minuten genauso chancenlos wie vor drei Monaten. Am Ende gewannen die Münchner das Gruppenspiel der Champions League 1:0 (1:0), nach drei Spielen haben sie nun dreimal gewonnen und den Einzug in das Achtelfinale bereits so gut wie geschafft.

Die Münchner spielten wie zuletzt in der Bundesliga auch auswärts in der Champions League von Beginn an mit drei Stürmern. Das am vergangenen Wochenende beim 4:2 gegen Hertha BSC überzeugende Trio Podolski/Pizarro/Makaay wurde von Trainer Felix Magath allerdings insofern verändert, als er Roy Makaay auf der Bank ließ und stattdessen Roque Santa Cruz einsetzte. „Wir brauchen gegen die langen Portugiesen noch einen starken Kopfballspieler“, hatte Magath vor dem Spiel zur Begründung für seine personell überraschende Aufstellung gesagt.

Als Schweinsteiger mit seinem zweiten Weitschussversuch gegen den vorher schon unsicheren Ricardo getroffen hatte, zeigte sich, dass Magath mit dieser Maßnahme nicht falsch lag. Sporting belagerte minutenlang das Tor der Münchner und hätte bei einer Serie von fünf Eckbällen den Ausgleich erzielen können, doch Santa Cruz bekam zweimal noch seinen Kopf zwischen den Ball und das eigene Tor. Zuvor hatte Oliver Kahn, der ja auch in seinem letzten Länderspiel um den dritten Platz bei der WM eine gute Leistung gezeigt hatte, gegen den allein auf ihn zulaufenden Liedson geklärt und Philipp Lahm mit einer Kopfballrückgabe beinahe ins eigene Tor getroffen. Die 1:0-Führung der Bayern zur Pause war durchaus glücklich, auch wenn Schiedsrichter Terje Hauge den Münchnern schon in der zehnten Minute einen klaren Elfmeter versagt hatte, als Claudio Pizarro umgerissen worden war.

Kurz nach der Pause musste Bastian Schweinsteiger den Platz verlassen. Nachdem er den Ball verloren hatte, grätschte er im Mittelfeld Yannick um. Da er schon in der ersten Halbzeit Gelb gesehen hatte, zeigte ihm Terje Hauge nun Gelb-Rot. Es war Schweinsteigers erster Platzverweis überhaupt als Profi. Mit Gelb-Rot für Schweinsteiger endeten nicht nur die Parallelen zur WM, sondern auch der erneute Versuch von Magath, ein Spiel mit drei Stürmern zu dominieren. Zu zehnt war ihm das Wagnis dann wirklich zu groß, für Santa Cruz kam Hasan Salihamidzic. Das Spiel war jetzt hektischer, die 42 000 Zuschauer im José-Alvalade-Stadion trieben ihre Mannschaft von einem Angriff zum nächsten. Die Portugiesen hatten Glück, als Liedson kurz nach dem Platzverweis für Schweinsteiger wegen Nachtretens gegen Willy Sagnol nur die Gelbe Karte gezeigt bekam.

Anstelle von Ricardo rückte nun immer mehr Oliver Kahn in den Mittelpunkt. Nach einer Stunde wäre aber auch Kahn chancenlos gewesen, als Anderson Polga aus sechzehn Metern nur den Außenpfosten traf. Magath nahm nun auch Podolski vom Feld, für ihn kam Julio dos Santos. Mit nur noch Pizarro in der Spitze wollten die zehn Münchner nun ihren Vorsprung über die Zeit zu retten. Der Peruaner versuchte, vorne zumindest lange den Ball zu halten, wenn er ihn überhaupt noch einmal bekam.

Denn Sporting rannte weiter gegen das Tor von Kahn an, der einen Schuss von Yannick sicher parierte, nachdem sich dieser schön durchgedribbelt hatte. Viele große Chancen erspielte sich Sporting trotz der Überzahl und Überlegenheit in der Schlussphase aber nicht mehr.

Der FC Bayern war mit drei Stürmern offensiv in das Spiel gestartet und hatte es zunächst auch bestimmt. Am Ende gewann er es aber nicht wegen des Spielsystems, sondern weil der defensive Kampfgeist stimmte.

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