Sport : Über eine Durststrecke zu Medaillen

Der neue Chef-Bundestrainer des DSV, Henning Lambertz, hofft auf den deutschen Schwimm-Nachwuchs.

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Köln - Bis zur Ernennung seines neuen Schwimmer-Kapitäns hat sich der Deutsche Schwimm-Verband (DSV) viel Zeit gelassen. Sein offizielles Bestätigungsschreiben lief aber am passenden Tag bei Henning Lambertz, dem Auserwählten, ein. Pünktlich zu seinem 42. Geburtstag am Mittwoch hielt der Trainer vom Bundesstützpunkt in Essen das Dokument in der Hand, das ihn zum Boss der deutschen Becken- und Freiwasserschwimmer macht. Zunächst bis Ende 2016 – und das nicht nur als Bundesttainer, sondern als Chef-Bundestrainer. Eine Jobbeschreibung, nach der sein Vorgänger Dirk Lange stets vergeblich gescharrt hat.

Die erweiterten Kompetenzen, die Lambertz gewährt wurden, blieben dem in Wortwahl und Vorgehensweise nicht immer zimperlichen Lange nicht zuletzt wegen seines schwierigen Verhältnisses zu Lutz Buschkow verwehrt. Am Ende kam der Direktor Leistungssport im DSV (ohne den längst entlassenen Lange) mit einer historischen Olympia-Nullnummer aus London zurück. Nicht eine Medaille im Pool, so schwach wie zuletzt 1932, deshalb geriet Buschkow schwer unter Beschuss. Er lobt den smarten, ehrgeizigen Lambertz nun als einen Mann, den er „in den letzten vier Jahren als kompetenten und loyalen Mitstreiter des deutschen Schwimmsports schätzen gelernt“ habe.

Der gebürtige Hildener unterschrieb nun zum 1. Januar einen Vertrag für vier Jahre. Eine Option zur Verlängerung bis 2020 besteht für beide Seiten. „Ich weiß, dass es eine schwere Aufgabe ist, an der sich vor mir schon ausgesprochen dekorierte Trainer die Zähne ausgebissen haben“, erklärte Lambertz bei seiner offiziellen Vorstellung am Rande der Istanbuler Kurzbahn-WM am Freitag demütig, betonte aber auch: „Ich bin guten Mutes.“ Und zuversichtlich, dass es mit ihm an der Spitze international wieder aufwärts geht, ist auch Norbert Warnatzsch. „Henning Lambertz kennt den DSV und weiß, was man tun muss, um bestimmte Projekte ins Leben zu rufen“, so der frühere Coach von Doppelolympiasiegerin Britta Steffen.

Das entscheidende Projekt wird dabei die Arbeit an der Basis, bei der schwimmenden Jugend sein. „Wir werden von der WM 2013 sicher nicht mit einem Sack voller Medaillen nach Hause kommen. Wir werden eine kleine Durststrecke überwinden müssen“, ahnt Lambertz, dem sich zuletzt nationale Topschwimmer wie Hendrik Feldwehr oder Christian vom Lehn in Essen gezielt anschlossen. Lambertz’ Aufgabe wird es nun sein, den Teamgedanken zu stärken und im ganzen Land ein Netz von motivierten Sportlern und Trainern aufzubauen. „Er kann das meistern“, meint Warnatzsch. Andreas Morbach

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