Sport : Über jede Hürde

Springreiter Velin und Dressurreiter Schmidt siegen in Berlin

Ingo Wolff

Berlin. Es sind die Ahs und Ohs an jedem Hindernis, die die Leistung der heimischen Starter beim Springreiten widerspiegeln. Beim CHI in Berlin haben die skeptischen Ohs überwogen. Die deutschen Springreiter haben beim Weltcup eher ein schlechtes Bild abgegeben. Nur Marco Kutscher, Pia- Luise Aufrecht, Helena Weinberg und Otto Becker konnten eine Blamage verhindern und sich für das Stechen beim Großen Preis von Deutschland qualifizieren.

Dort setzte der 28 Jahre alte Kutscher als zweiter Starter erneut mit einem fehlerfreien Ritt die Konkurrenz unter Druck. Nur der Däne Thomas Velin kam damit zurecht. Er unterbot die Zeit um mehr als eine Sekunde und gewann damit die vierte Weltcup-Station vor Kutscher. Dritter wurde der Franzose Hubert Bourdy, der zuvor die Qualifikation zum Weltcup gewonnen hatte.

Velin und Kutscher waren am Ende die einzigen fehlerfreien Reiter. „Der Kurs war sehr schwer“, sagt Velin, „die Arena ist relativ klein. Deshalb musste der Parcours technisch clever gebaut werden.“ Kutscher war erstaunt, dass überhaupt 13 Reiter das Stechen erreichten. Noch mehr staunte er über die Leistung seines Pferdes: „Controe zählt eigentlich nicht zu den schnellsten Pferden, aber hier hat er alles aus sich rausgeholt.“

Enttäuschend verlief das CHI dagegen für Ludger Beerbaum. „Mein Pferd ist in diesem Jahr nicht so weit“, sagt der Olympiasieger. Mit seinem Hengst Goldfever touchierte er schon in der Hauptrunde zweimal ein Hindernis und gab danach auf. Auch sein Bruder Markus sowie seine Schwägerin Meredith Michaels-Beerbaum schafften es nicht ins Stechen. Nachdem die Familie beim vorigen CHI aufgetrumpft hatte, lief es diesmal enttäuschend.

Noch am Vormittag war das Publikum bei einer Dressurprüfung so ausgelassen mitgegangen wie lange nicht mehr beim CHI. Hubertus Schmidt ritt zu Herbert Grönemeyers Titel „Mambo“ durch das Dressurviereck, und genau an der Stelle, an der viele Zuschauer innerlich die Passage „Ich drehe schon seit Stunden hier so meine Runden“ mitsangen, drehte Wansuela Suerte fröhlich ihre Pirouetten. Die zehnjährige Stute zeigte eine nahezu fehlerfreie Vorstellung. Vielleicht kommt die ungewöhnliche Kür nicht in allen Weltcup-Orten so gut an wie in Berlin, aber hier zeigte der Text seine Wirkung. Vier der fünf Prüfungsrichter gaben dem 44-Jährigen Höchstnoten und ermöglichten ihm so den Sieg beim Auftaktturnier des Weltcups. „Ich bin diese Kür erst zum dritten Mal gegangen“, sagt Schmidt. Mit Grönemeyer will er es bis zum Weltcup- Finale in Düsseldorf schaffen. „Dort wird man den Text auch gut kennen“, sagt Schmidt

Sollte er mit der Stute weiter so konstant reiten, dürfte er dieses Ziel auch erreichen. Da die Dressur nur sieben Qualifikationsturniere hat und lediglich vier Ergebnisse in die Wertung genommen werden, ist Schmidt mit einem Sieg schon vorn dabei. „Das Besondere an Wansuela ist, dass sie immer arbeiten will“, sagt Schmidt. Nur eine Schwäche habe die Stute noch. „Sie regt sich schnell auf, wenn sie am Aufwärmplatz etwas stört“, erzählt Schmidt. „Das hat sich oft auf die Prüfung ausgewirkt.“ Inzwischen sei die Stute aber gelassener geworden und könne ihre emotionalen Hürden überwinden.

Auch Heike Kemmer bekam viel Zuspruch vom Publikum. Das lag nicht nur an ihrer Leistung mit Albano, sondern auch am Heimbonus. Die Tochter eines Berliner Bauunternehmers lebt zwar seit zwölf Jahren in Winsen an der Aller, doch beim CHI erhält sie seit 25 Jahren den Status der „Berliner Botschafterin in Sachen Dressur“. In der Vergangenheit hat es in Berlin aber an einem vorderen Platz gemangelt. Erst bei ihrem Jubiläum gelang ihr der Sprung an die Spitze: Platz zwei. „Endlich konnte ich mal vor heimischem Publikum eine gute Prüfung zeigen“, sagte Kemmer. Auch sie hat Düsseldorf im Blick, aber noch wichtiger seien ihr im nächsten Jahr die Olympischen Spiele.

Auch Emma Hindle möchte nach Athen. Die 28-jährige Engländerin hatte am Samstag mit dem Hengst Wie Weltmeyer überraschend den Grand Prix beim CHI gewonnen und bestätigte mit Platz drei im Weltcup ihre Weltklasseform. „Am Samstag ist mein Hengst besser gegangen“, sagt sie, „diesmal musste ich ihm in den Hintern treten.“

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