Sport : Über Kroatien nach Athen

Handballerinnen spielen bei der WM um ein Olympiaticket

Arnulf Beckmann

Berlin. Ekke Hoffmann gilt als akribischer Arbeiter, dem der mittelfristige Erfolg wichtiger ist als die schnelle Schlagzeile. Deswegen hat ihn der Deutsche Handball-Bund damit beauftragt, als Bundestrainer den tristen Jahren der Frauen-Nationalmannschaft ein Ende zu bereiten. Bei der heute in Kroatien beginnende Weltmeisterschaft erwartet niemand, dass seine Mannschaft um den Titel mitspielt. Aber Platz fünf soll es schon sein, mindestens, denn sonst kann der Bundestrainer auch sein mittelfristiges Ziel nicht erreichen: Nur die ersten fünf Teams qualifizieren sich für die Olympischen Spiele in Athen.

Im ersten Spiel treffen die Deutschen heute gleich auf Olympiasieger Dänemark, und Hoffmann attestiert seinem Team allenfalls Außenseiterchancen. Und auch die anderen Gegner sind keineswegs zu unterschätzen. Das Team aus Ungarn gewann noch in Sydney 2000 die Silbermedaille und gehört in Kroatien zum erweiterten Favoritenkreis, China ist als Asienmeister angereist. Lediglich gegen Slowenien und die Elfenbeinküste gehen die Deutschen als Favoriten ins Spiel. Hoffmanns Ziel ist klar definiert: Platz drei in der schweren Vorrundengruppe, mithin die Qualifikation für die Zwischenrunde. Die Ergebnisse der letzten Vorbereitungsspiele mit zwei Siegen gegen Tschechien stimmen den Bundestrainer verhalten optimistisch.

Zehn Jahre ist es her, da gewann der DHB in Norwegen den WM-Titel, ein Jahr drauf die Silbermedaille bei der Europameisterschaft. Und als Deutschlands Frauen-Handball-Fans 1997 über WM-Bronze jubeln durften, saß Ekke Hoffmann selbst auf der Bank. In der Folge stürzte das Team in die internationale Bedeutungslosigkeit. Hoffmann ging Anfang 1999, im selben Jahr scheiterte das Team im WM-Viertelfinale. In Sydney 2000 war Deutschland ebenso wenig vertreten wie bei der Weltmeisterschaft 2001.

Zwei Trainer scheiterten, ehe sich die Verantwortlichen beim Deutschen Handball-Bund besannen und Hoffmann wieder zurückholten. Er empfand das als Bestätigung seiner Handball-Philosophie. Hoffmann sträubt sich hartnäckig, nur die besten Spielerinnen der Liga zusammenzuziehen, drei Wochen vorzubereiten und dann eine WM zu spielen. „Eine Mannschaft muss wachsen“, sagt Hoffmann. „Und dafür braucht man Zeit.“

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