Sport : Über vier Schanzen hinaus

Nach den schwachen Leistungen bei der Tournee ist die Skiflug-WM für die Deutschen besonders wichtig

Benedikt Voigt

Berlin - In diesen Tagen erhält Österreich großen Besuch. Muhammad Ali wird am Samstag in einer Gala namens „Magic Moments of Sport“ auftreten, wer ihn sehen will, muss 80 Euro Eintritt bezahlen. Es soll eine Art Vor-Geburtstagsfeier für den ehemaligen Schwergewichtsweltmeister werden, Muhammad Ali wird am Dienstag 64 Jahre alt. Die österreichische Post ehrt ihn bei dieser Gelegenheit auch noch mit einer Sonderbriefmarke. Seltsam mutete allerdings der Ort seines Auftritts an: Nicht Wien, Salzburg oder Innsbruck wird er mit seiner Anwesenheit auszeichnen. Sondern die Skiflug-Arena am Kulm in Bad Mitterndorf.

Muhammad Ali soll der heute beginnenden Skiflug-Weltmeisterschaft am Kulm (13.45 Uhr, live in RTL) zusätzlichen Glanz verleihen. Dabei hat diese Veranstaltung ohnehin eine große Bedeutung. Neben der Vierschanzentournee und den Olympischen Spielen in Turin ist die Skiflug-Weltmeisterschaft für die Skispringer der dritte Höhepunkt dieser Saison. Für die deutschen Athleten bieten die Sprünge von der größten Naturschanze der Welt eine Chance, sich für die enttäuschende Vierschanzentournee zu rehabilitieren. „Ich erwarte eine deutliche Reaktion der Mannschaft“, sagte Thomas Pfüller dem „Sportinformationsdienst“. Der Sportchef des Deutschen Skiverbandes (DSV) setzt auch Bundestrainer Peter Rohwein unter Druck. „Wir müssen uns das Ziel setzen, eine Medaille zu gewinnen.“

Dass dies möglich ist, zeigte sich gestern, als sich alle vier deutschen Springer mühelos für den heutigen Wettbewerb qualifizierten. Michael Uhrmann sprang mit 197 Metern am weitesten, Alexander Herr setzte seinen Aufwärtstrend mit 196,5 Metern fort, Michael Neumayer folgte mit 195 Metern. Nur Georg Späth fiel mit 183 Metern etwas ab. „Die Jungs haben sich nicht schlecht verkauft“, sagte Peter Rohwein, der den formschwachen Martin Schmitt erstmals seit zehn Jahren nicht für die WM nominiert hat.

Im Einzelwettbewerb, der heute und morgen in vier Durchgängen stattfindet, dürften die beiden Tourneesieger Jakub Janda und Janne Ahonen sowie Roar Ljökelsoy, gestern Trainingsbester mit 205,5 Metern, den Sieg unter sich ausmachen. Das deutsche Team hofft auf den erstmals bei einer Skiflug-WM durchgeführten Teamwettbewerb. „Da wollen wir eine Medaille holen“, sagt Rohwein. Es ist die Generalprobe für Turin, wo ebenfalls die deutschen Chancen auf eine Medaille im Mannschaftsspringen am größten sein werden.

Allerdings ist das Skifliegen eine besondere Disziplin. Den individuellen Flugfähigkeiten kommt eine noch wichtigere Bedeutung zu. „Flieger“ nennen die Skispringer jene Künstler, die in der Luft einen Sprung erst entwickeln können. Sven Hannawald war einer von ihnen, er hält am Kulm mit 214 Metern den Rekord. Es gibt sonst nur noch vier Schanzen für die weiten Flüge: Oberstdorf, Planica (Slowenien), Harrachov (Tschechien) und Vikersund (Norwegen). Für die Springer sind diese Stationen ein Höhepunkt der Karriere. Hier kommen sie dem Gefühl des freien Fliegens am nächsten. Der Österreicher Andreas Goldberger will es heute am Kulm ein letztes Mal spüren - und dann aufhören.

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