Überbelastung im Handball : Champions League: Weniger ist manchmal mehr

An diesem Samstag beginnt die Handball-Champions-League, eigentlich ein Feiertag für Fans. Sollte man meinen. Allerdings wertet die IHF ihr Premium-Produkt durch einen fragwürdigen Modus ab. Ein Kommentar.

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Wieviele Spiele sind's eigentlich noch? Flensburgs Trainer Ljubomir Vranjes und sein Team sind einer von drei deutschen Vertretern in der Champions League.
Wieviele Spiele sind's eigentlich noch? Flensburgs Trainer Ljubomir Vranjes und sein Team sind einer von drei deutschen Vertretern...Foto: dpa

An diesem Samstag beginnt für die drei deutschen Vertreter die Saison in der Handball-Champions. Nun sollte es für Freunde der jeweiligen Sportart eigentlich ein ausgewiesener Feiertag sein, wenn der größte, bedeutsamste und finanziell lukrativste Europapokal-Wettbewerb langsam wieder Fahrt aufnimmt. Das Problem im Handball ist nur: er nimmt wirklich sehr, sehr langsam Fahrt auf. Sozusagen im Schneckentempo.

Schuld ist ein veränderter Modus, der das Premium-Produkt des europäischen Verbands IHF sowohl in seiner Wahrnehmung als auch in seiner Wertigkeit von Beginn an herabstuft: Neuerdings treten die 28 Teilnehmer in vier Gruppen gegeneinander an, jeweils zwei (sportliche erstklassige) mit acht Teams, aus denen wiederum sechs Vereine ins Achtelfinale einziehen – und jeweils zwei (weniger gut besetzte) Sechser-Gruppen, aus denen nur die beiden ersten in die K.o.-Phase gehen. Darauf können nur hohe Funktionäre in ihren Hinterzimmern kommen, die vermutlich noch nie einen Ball in der Hand gehalten haben. Aber es wird noch absurder.

Konkret bedeutet das ja, dass die Topteams aus der einzig ausgeglichenen Handball-Liga Europas, nämlich der Bundesliga, 14 Vorrundenspiele bestreiten müssen, ehe die beiden schlechtesten Teams ausgesiebt sind. All das geschieht wohl gemerkt in einer Zeit, in der das Thema Überbelastung im Handball ohnehin omnipräsent ist. Christian Dissinger, 24 Jahre, vom THW Kiel, hat in dieser Woche aus genau diesem Grund das vorläufige Ende seiner Nationalmannschafts-Karriere bekannt gegeben und sinngemäß gesagt, dass weniger eben manchmal auch mehr sein kann. Hoffentlich kommt das bald überall an.

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