Sport : Überflieger mit Bodenhaftung

André Schürrle und Lewis Holtby führen Mainz an die Spitze und sind Kandidaten fürs Nationalteam

von
Jugend trifft. Lewis Holtby (l.) und André Schürrle harmonieren in Mainz. Foto: dpa
Jugend trifft. Lewis Holtby (l.) und André Schürrle harmonieren in Mainz. Foto: dpaFoto: dpa

Mittlerweile ist es schon so weit, dass selbst Eingeweihte auf den ersten Blick nicht mehr zwischen Dichtung und Wahrheit unterscheiden können und sich fragen: „Machen die Bruchweg-Boys eigentlich auch Musik?“ Ja, es sah ja fast so aus vor einer Woche, als die Fußballprofis André Schürrle (Gitarre), Lewis Holtby (Gesang) und Adam Szalai (Schlagzeug) im „Aktuellen Sportstudio“ auftraten.

Aber mehr als Playback kann bei Mainz 05 nur Präsident Harald Strutz, der auch im realen Leben auftritt, als Frontmann der Band „The Stags“. Die Sache mit den „Bruchweg-Boys“ ist eine PR-Geschichte, die dem Klub gelegen kommt. Mainz führt weiter die Tabelle der Fußball-Bundesliga an, auch nach dem 4:2-Sieg gegen Hoffenheim, dem siebten Erfolg im siebten Spiel. Womit die Rheinhessen den Startrekord des FC Bayern und des 1. FC Kaiserslautern egalisierten.

Starke Hoffenheimer, noch bessere Mainzer, eine abwechslungsreiche Spitzenpartie – „der Bundestrainer hat ein schönes Spiel gesehen“, sagte Schürrle. Dass Joachim Löw im Stadion war, habe er jedoch „nicht gewusst“, sagte Schürrle. Er und Holtby sind Kandidaten für das Test-Länderspiel am 17. November in Göteborg gegen Schweden und standen damit unter genauer Beobachtung – wie Schürrle bereits vor einigen Monaten bei Gästetrainer Ralf Rangnick.

Deshalb mag es dem Hoffenheimer Coach einen besonderen Stich versetzt haben, dass der knapp 20-jährige Schürrle mit seinem Elfmetertor die Niederlage seines Klubs sicherstellte. Rangnick hätte den pfeilschnellen und ballsicheren Außenstürmer Schürrle gerne in seinem Team gesehen, bereits im Mai gab es deshalb eine Anfrage aus dem Kraichgau. Wochenlang wurde gepokert, zuletzt soll ein Ablösebetrag von zehn Millionen Euro verhandelt worden sein. Dann blieb Schürrle doch. Der Mainzer Trainer Thomas Tuchel wollte seinen Lieblingsschüler, mit dem er 2009 bereits deutscher A-Juniorenmeister geworden war, unbedingt noch für diese Saison behalten. Dass er Schürrle nicht über die Spielzeit 2010/2011 hinaus am Bruchweg würde halten können, war Tuchel aber bewusst. Schürrle wird zu Bayer Leverkusen gehen.

Ein Grund, zum Rocker zu werden? Gewiss nicht für Schürrle. Er sagt, angesprochen auf die möglichen Nominierungen für die Nationalelf, eher brave Sätze wie den: „Das ist für uns eine große Ehre.“ Er weiß ganz genau, dass es gefährlich sein kann, sich zu weit aus dem Fenster zu lehnen. Es gibt genügend Beispiele von Aufsteigern, die hoch gelobt wurden und ganz schnell wieder im Bundesliga-Durchschnitt verschwunden sind. Da ist es taktisch klug, sich bescheiden zu geben.

0 Kommentare

Neuester Kommentar