Sport : Überholen ohne Respekt

Was den Kolumbianer Juan Pablo Montoya in der Formel 1 zum WM-Favoriten macht

Karin Sturm

Budapest. Wer wird Weltmeister in der Formel 1? Vier Rennen vor dem Saisonende gehört Niki Lauda zu denen, die mittlerweile ihre Meinung geändert haben. „Vor vier Wochen hätte ich noch auf Ferrari und Michael Schumacher getippt, aber das Bild hat sich massiv verändert“, sagt der dreimalige Champion vor dem Grand Prix von Ungarn am Sonntag. Der Österreicher setzt nunmehr ganz auf Juan Pablo Montoya im BMW-Williams, der vor dem 13. WM-Lauf noch sechs Punkte hinter Michael Schumacher liegt. Nach einem schwierigen Saisonstart und einer kleinen Krise, als ihn einige schon als Nummer zwei hinter Ralf Schumacher bei BMW-Williams gesehen hatten, konnte sich der 28-jährige Kolumbianer nunmehr mit beeindruckenden Leistungen in jene Position bringen, in die er nicht nur seiner eigenen Meinung nach gehört: in die des WM-Favoriten. Was aber macht Montoya im Vergleich zu seinen Kontrahenten, die eher konventionell und „glatt geschliffen“ daherkommen, so stark?

Die Herkunft: Montoya ist ein Familienmensch, der seine nächsten Angehörigen gerne um sich hat. Ehefrau Connie, „die mir sehr viel Halt und Sicherheit gibt“, genauso wie Papa Pablo, ein Architekt, kommen regelmäßig mit zu den Rennen. Und jetzt im Sommer auch der kleine Bruder Frederico. Der ist schon ein begeisterter und auch talentierter Kartfahrer, „der da wie ein Verrückter unterwegs ist". Auch wenn die Montoya-Familie schon lange aus Sicherheitsgründen in Miami residiert, Juan Pablo fühlt sich durch und durch als Kolumbianer, ist stolz auf sein Land, für das er durch seine Erfolge positive Werbung machen möchte, „damit die Leute nicht immer nur an Gewalt, Armut und Drogenkriege denken“. Aus der Bewunderung und der Verehrung, die ihm bei seinen Besuchen in der Heimat stets entgegenschlägt, zieht er viel Kraft und Motivation.

Das Temperament: Montoya ist ein typischer Südamerikaner, der seine Emotionen offen zeigt. Im Formel-1-Auto schafft er es dennoch immer besser, sich zu kontrollieren, aus Übereifer resultierende Fehler zu vermeiden.

Die Aggressivität: Einfach nur brav hinter einem Konkurrenten hinterherzufahren, das ist nichts für ihn. Schon gar nicht, wenn Michael Schumacher, der scheinbar unantastbare Weltmeister, vor ihm fährt. Wenn immer wieder behauptet wird, dass in den heutigen Formel-1-Rennen nicht mehr überholt werden könne, beweist Montoya gern das Gegenteil.

Das Management: Montoya hat einen Manager hinter sich, der vor zehn Jahren schon einmal der wichtigste und erfolgreichste in der Formel 1 war: Julian Jakobi. Damals hatte er Alain Prost und Ayrton Senna unter Vertrag. Doch dann kamen einige Jahre, in denen er ohne Top-Fahrer war und auch sehr glücklos agierte. Mit Montoya will Jakobi beweisen, dass er auch wieder in der Formel 1 erfolgreich sein kann.

Das Auto: Der BMW-Williams ist zusammen mit den Michelin-Reifen derzeit die absolut beste Kombination in der Formel 1. Daran hat Montoya durch konsequente Testarbeit einigen Anteil. Die Stärke des BMW-Williams, der zu Saisonbeginn noch als Flop bezeichnet wurde, resultiert auch aus seinen besonderen Fähigkeiten.

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