Sport : Überlegene Verfolger

Schalke gewinnt das Derby im Revier bei Borussia Dortmund nach Toren von Kuranyi 2:1 und hält den Anschluss an Bayern

Felix Meininghaus[Dortm]

Die Rollen haben sie bereits vor einigen Jahren getauscht, die beiden beliebtesten Klubs aus dem Ruhrgebiet. Schalke 04 spielte in der Vorsaison der Fußball-Bundesliga schon deutlich vor der einstigen Erfolgsmannschaft aus Dortmund. Und gestern, beim 126.Ruhrderby vor 81264 Zuschauen im ausverkauften Dortmunder Westfalenstadion, spielte Schalke dann auch deutlich etwas vor. Das gestrige Spiel zum Maßstab genommen, scheint der Abstand zwischen den beiden Traditionsklubs größer zu werden. In einer einseitigen Partie kam der FC Schalke 04 zu einem verdienten 2:1(1:1)-Auswärtserfolg und damit schon am zweiten Spieltag zum zweiten Sieg, während Dortmund nach der Heimniederlage weiterhin nur einen Punkt auf dem Konto hat.

Borussia Dortmund machte gestern allein in der Anfangsphase einen etwas aufgeweckteren Eindruck. Besonders ihr jüngster Spieler auf dem Platz: Nuri Sahin. Bislang kam der 16 Jahre alte Sahin nur bei Borussias B-Junioren zum Einsatz, gestern hatte er als jüngster Spieler aller Zeiten sein Debüt in der Bundesliga – und was für eines. Die beiden ersten Zweikämpfe mit seinem zehn Jahre älteren Gegenspieler Fabian Ernst gewann der in Deutschland aufgewachsene Türke mit erstaunlicher Souveränität. Auch seine Pässe wirkten überzeugend. Weniger überzeugend war in der Anfangsphase die Leistung von Schiedsrichter Herbert Fandel (Kyllburg) und seinen beiden Assistenten. Eine Flanke des Dortmunders Kringe auf den allein vor Schalkes Torwart Frank Rost im Strafraum wartenden Ebi Smolarek wirkte abseitsverdächtig – noch merkwürdiger allerdings war, dass Smolarek den Ball mit dem Unterarm stoppte und ihn dann im zweiten Versuch ins Schalker Tor stocherte.

Alle Proteste der Schalker bewirkten nichts, der irregulär erzielte Dortmunder Treffer zählte. Das allerdings motivierte die Schalker anscheinend. Nach der Führung der Borussen verschaffte sich im ausverkauften Westfalenstadion bald die Minderheit von 8000 Schalker Fans die akustische Herrschaft, denn Schalke war deutlich überlegen, stellte die Dortmunder Verteidigung zusehends vor große Probleme. Ebbe Sand hatte nach 22 Minuten aus spitzem Winkel die erste gute Torchance. Dortmunds Torwart Roman Weidenfeller konnte nur mit Mühe noch einen Schalker Eckball verursachen: Der zog dann allerdings den verdienten Ausgleich nach sich. Kevin Kuranyi traf unbehelligt per Kopfball zum 1:1, nachdem sein Gegenspieler Degen sich nicht bemüßigt gesehen hatte, angesichts des in den Strafraum fliegenden Balls in die Höhe zu springen. Ernst und Sand vergaben noch in der ersten Halbzeit weitere gute Torchancen, so dass der Pausenstand von 1:1 durchaus glücklich für die Dortmunder war.

Erst nach gut 50 Spielminuten wurden die Dortmunder wieder etwas mutiger. Ein Kopfball von Jan Koller landete allerdings genau in den Armen von Schalkes Torhüter Rost. Die Dortmunder Anhänger wurden nun wieder etwas mutiger, also lauter – bis zu dem Zeitpunkt, als sich dann Christoph Metzelder einen katastrophalen Fehler leistete. Bei seinem Abwehrversuch köpfte er den Ball genau auf die Füße des heranstürmenden Kuranyi. Der aus Stuttgart gekommene Stürmer überwand daraufhin Weidenfeller mit einem kraftvollen Distanzschuss und erzielte so sein zweites Saisontor für Schalke 04.

Dortmunds Trainer Bert van Marwijk löste sein Viererkette wenig später auf, nahm Degen aus dem Spiel und wechselte für ihn Stürmer Odonkor ein. Nennenswertes zog diese Aktion nicht nach sich. Koller erzielte zwar noch ein Tor, stand dabei aber deutlich im Abseits.

Schalke hatte auch in der Schlussphase die besseren Möglichkeiten. Es blieb aber beim 2:1 für die favorisierte Mannschaft aus Gelsenkirchen, die gestern ihre Pflicht erfüllte und trotzdem einen engagierteren Eindruck machte als noch am ersten Spieltag beim mühevollen 2:1-Heimsieg gegen Kaiserslautern.

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