Sport : Übermorgen ist wichtiger

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Vielleicht muss man den Parallelvergleich in diesem Fall wirklich noch einmal bemühen. Muss noch einmal daran erinnern, wie es damals beim Amtsantritt von Heiner Brand ausgesehen hat. 1997 war es um den deutschen Handball nicht sonderlich gut bestellt, die Situation war durchaus vergleichbar mit der heutigen: Zur Weltspitze fehlten nicht nur ein paar Prozent, sondern doch schon ein paar mehr. Und genau aus diesem Grund kann man Martin Heuberger eigentlich nur wünschen, dass er ebenso Zeit zur Entwicklung einer Mannschaft bekommt wie sein überaus populärer Vorgänger. Heiner Brand war nicht vom ersten Tag an der große Weltmeister-Europameister-Olympia-Silber-Trainer. Es dauerte zehn (!) Jahre, bis er die Auswahl des Deutschen Handball-Bundes (DHB) zum Weltmeister-Titel geführt hatte.

Davon ist der DHB aktuell in etwa so weit entfernt wie Südafrika vom Nordpol. Umso mutiger erscheint deshalb die Entscheidung Heubergers, vor der WM im Januar 2013 einen radikalen Umbruch im Kader zu forcieren. Opfert der Bundestrainer das Turnier in Spanien, um die Basis für ein neues, perspektivisch erfolgversprechendes Team zu legen? Es wäre ein Novum in der Geschichte des mitgliederstärksten Handball-Verbands der Welt – und im Moment deutet vieles darauf hin. Gestern nominierte Heuberger seinen 17-köpfigen Kader, in dem sechs Spieler stehen, die noch kein internationales Turnier bestritten haben. Altgediente Namen wie Spielmacher Michael Kraus fehlen dagegen, manche andere wie Holger Glandorf oder Lars Kaufmann haben unter fadenscheinigen Gründen abgesagt. Kurzfristig, das steht nicht zur Debatte, kann der deutsche Handball das Fehlen von Spielern dieses Formats nicht kompensieren. Heuberger scheint jedoch bereits an übermorgen zu denken, das lässt sich an der Zielsetzung für die WM ablesen. Sie lautet: die Vorrunde überstehen. Seite 23

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