Übernahme : Mercedes verleibt sich Brawn GP ein

Die Ära McLaren bei Mercedes ist zu Ende. Ab kommender Saison setzen die Stuttgarter auf das diesjährige Weltmeisterteam Brawn GP. Stammpiloten könnten zwei deutsche Fahrer werden.

Karin Sturm

Seit Monaten wurde darüber spekuliert, jetzt ist es offiziell: 2010 wird es wieder ein offizielles Mercedes-Werksteam in der Formel 1 geben – das auch unter diesem Namen antritt. Der Daimler-Vorstandsvorsitzende Dieter Zetsche und Mercedes-Benz-Motorsportchef Norbert Haug bestätigten am Montag: Mercedes übernimmt 75,1 Prozent der Anteile am Weltmeisterteam von Brawn GP – und wird 2010 unter dem Namen Mercedes GP in der Formel 1 antreten. Als deutsches Team mit deutscher Lizenz – so dass bei Siegen dann auch die deutsche und nicht mehr die englische Nationalhymne erklingen wird. Wobei Ross Brawn allerdings „selbstverständlich“, wie Zetsche sagt, „Teamchef bleiben wird, und wir auch sehr froh sind, dass wir ihn haben“.

Mercedes und Aabar Investments PJSC, ein Staatsfonds aus Abu Dhabi, der mit 9,1 Prozent der größte Einzelaktionär des Stuttgarter Autokonzerns ist, teilen sich dabei das neue Investment untereinander auf. Mercedes ist mit 45,1 und Aabar mit 30 Prozent beteiligt, die restlichen 24,9 Prozent bleiben bei den Anteilseignern von Brawn GP. In einer Zeit, in der andere Hersteller wie Honda, BMW oder Toyota die Formel 1 verlassen, setzten die Schwaben also auf verstärktes Engagement: „Wir haben da auch einen anderen historischen Hintergrund, außerdem eine sehr erfolgreiche – auch jüngste Vergangenheit“, sagte Zetsche. Außerdem könne man angesichts der beschlossenen Kosteneinsparungen in der Formel 1 „in zwei Jahren für etwa ein Viertel dessen, was wir früher investiert haben, den gleichen Effekt erzielen“.

Aus der engen Partnerschaft mit McLaren steigt Mercedes schrittweise aus: „Wir haben in völligem Einvernehmen vereinbart, dass die McLaren-Gruppe die 40 Prozent Anteile über die nächsten zwei Jahre von Daimler abkauft“, sagte Zetsche. Die Motorenpartnerschaft bleibe aber weiter bestehen, grundsätzlich sei vereinbart, dass McLaren bis 2015 bei Mercedes Motoren kaufen könne – wobei Gerüchte besagen, dass die Lieferungen bis einschließlich 2011 kostenlos erfolgen – als kleines Zugeständnis an McLaren-Chef Ron Dennis, der die jährlichen Entwicklungszuschüsse von Mercedes in Höhe von 30 Millionen Euro und wohl auch den Sponsor Mobil verliert, der mit Mercedes zu Brawn wechseln wird.

„Wir sind sportlich Rivalen, werden uns aber weiter über Siege von McLaren-Mercedes freuen“, sagte Zetsche. Die Probleme mit McLaren lagen vor allem in unterschiedlichen Zukunftsvorstellungen. „Die Partnerschaft geht weiter, aber mit einem anderen Fokus. Es ist schwieriger geworden, Teilhaber zu sein, weil unsere Interessen nicht mehr zu hundert Prozent übereinstimmten“, sagte Zetsche. McLaren ist dabei, ein Automobilunternehmen aufzubauen, welches auch einen Supersportwagen in Konkurrenz zu Mercedes baut.

Die Fahrerfrage bei Mercedes GP und McLaren-Mercedes ist noch offen. Fest steht bisher nur, dass Nico Rosberg bei Mercedes GP fahren wird, auch wenn das offiziell immer noch nicht bestätigt ist. Lewis Hamilton bleibt die Nummer eins bei McLaren. „Wir brauchen noch ein bisschen Zeit, bis wir unsere Fahrer bekanntgeben können. Wir müssen mit den Spekulationen leben, sind aber sehr bemüht, es bald hinzubekommen“, sagte Norbert Haug. Die Verhandlungen zwischen Weltmeister Jenson Button und Brawn waren zuletzt wegen unterschiedlicher Gehaltsvorstellungen ins Stocken geraten, Button hatte mit einem Werksbesuch bei McLaren versucht, den Druck auf sein altes Team zu erhöhen. Doch auch wenn britischen Medien voll auf das Thema anspringen: Die wahrscheinlichere Variante scheint immer noch, dass Button am Ende bleibt. „Wir würden uns sicher nicht beschweren, wenn wir die Nummer 1 auf dem Auto hätten“, sagte Zetsche.

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