Sport : Überraschend weit vorn

Räikkönen und die Schumachers hängen Alonso beim Großen Preis von Ungarn ab

Karin Sturm[Budapest]

Auf den Tribünen jubelten die Fans, unten auf der Piste winkte ihnen Kimi Räikkönen zu. Schwer zu sagen, wer sich mehr freute. Die Fans feierten den Sieg des Finnen beim Großen Preis von Ungarn, weil dadurch der Kampf um den WM-Titel in der Formel 1 wieder spannender geworden ist. Räikkönen aber war froh, dass er nicht wieder so viel Pech hatte wie vor einer Woche auf dem Hockenheimring. Dort war er in der 35. Runde nach einem technischen Defekt ausgeschieden. Er hatte klar geführt. Diesmal hingegen verteidigte der McLaren-Mercedes-Pilot seinen Vorsprung bis ins Ziel. Auf Platz zwei kam Michael Schumacher, was durchaus ein Erfolg für ihn ist. Der Ferrari des siebenmaligen Weltmeisters hat in dieser Saison Probleme. Nur Fernando Alonso war ernüchtert: Der Führende in der WM-Gesamtwertung kam nur auf Platz elf. Der Vorsprung im Gesamtklassement auf Räikkönen hat sich auf 26 Punkte verringert.

Räikkönen bedankte sich bei seinem Team. „Wir haben während des Rennens unsere Strategie angepasst, das hat fantastisch funktioniert“, sagte er, „als ich durch den zweiten Stopp an Michael Schumacher vorbei war, hatte ich keinerlei Probleme mehr.“ Es war auch ein Triumph der Strategie. Räikkönen fuhr im Gegensatz zu seinem Teamkollegen Juan Pablo Montoya mit einer Drei-Stopp-Strategie und lieferte spektakuläre Runden-Zeiten. Er war so schnell, dass Mercedes-Sportchef Norbert Haug sagte: „Mir war er fast schon zu schnell.“ Er hatte Angst, dass technisch wieder etwas kaputtgehen könnte.

Aber Räikkönen profitierte auch vom Ausfall seines Teamkollegen Juan Pablo Montoya. Der blieb in der 41. Runde mit technischem Defekt liegen. Und der Finne profitierte auch von den Reifenproblemen bei Schumacher. Der hatte sich nach dem Start in Führung gesetzt, fiel aber auf Platz zwei zurück, nachdem sowohl er als auch Räikkönen an der Box gewesen waren. Danach konnte Michael Schumacher den Finnen nicht mehr von Platz eins verdrängen. „Meine Reifen haben immer mehr abgebaut, Kimi fuhr einfach zu schnell“, sagte er. „Aber Platz zwei ist trotzdem ein deutlicher Schritt nach vorn.“ Insgeheim, das gab er jedoch auch zu, hatte er gehofft, dass es zum Sieg reichen würde.

Den Sieg hatte auch Fernando Alonso angepeilt, aber der Spanier hatte schon in der ersten Kurve nach einer Kollision mit Ralf Schumacher im Toyota einen Schaden am Frontflügel und musste an die Box. Damit verlor er wertvolle Zeit. Kein Wunder, dass er enttäuscht war: „Null Punkte, das ist natürlich nicht das, was ich brauchen kann. Wir müssen aufpassen, dass so etwas nicht wieder passiert.“

Keine Probleme hatte trotz der Kollision Ralf Schumacher, der auf Platz drei fuhr. „Natürlich habe ich gemerkt, dass Michael Probleme mit seinen Reifen bekam, und ich habe auch Druck gemacht. Ich habe auf einen Fehler von ihm gewartet, aber der kam nicht“, sagte der Toyota-Pilot. Er bedankte sich bei seinem Renningenieur für dessen Strategie: „Ich muss gestehen, ich war vorher nicht wirklich von der Drei-Stopp-Variante überzeugt, aber sie war absolut richtig!“ Nick Heidfeld im BMW-Williams belegte Platz sechs.

Nach hartnäckigen Gerüchten wird Rubens Barrichello nach Saisonende Ferrari vorzeitig verlassen und 2006 für BAR-Honda fahren. Er soll durch Felipe Massa ersetzt werden, der bei Sauber unter Vertrag ist. Eine offizielle Bestätigung für diese Wechsel gibt es aber nicht.

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