Überraschung : Fünf Minuten Schlaf

Werder Bremen kommt beim VfL Bochum nicht über ein 2:2 hinaus. Dabei hatten die Bremer zur Halbzeit bereits mit 2:0 geführt.

Richard Leipold[Bochum]
Bochum
Anschluss. Die Bochumer Epalle und Sestak (re.) freuen sich über den Anschlusstreffer zum 1:2. Im Hintergrund ärgert sich der...Foto: dpa

BochumMarcel Koller hat vermutlich recht. „Es ist sicher besser, jetzt gegen Bremen zu spielen als in sieben oder acht Wochen“, hatte der Trainer des VfL Bochum vor dem Spiel gesagt. Beim Saisonstart in Bochum fehlten Werder acht Profis, darunter die Mittelfeldstrategen Torsten Frings und Carlos Alberto. Und das war der Mannschaft auch anzumerken. „Wir haben gesehen, dass noch nicht alles rund läuft“, sagte Werder-Trainer Thomas Schaaf nach dem 2:2 gegen den VfL. Trotz aller Schwierigkeiten hätte es für Bremen in Bochum eine runde Sache werden können. Nach Toren von Diego und Sanogo hatten die Hanseaten den Sieg schon vor Augen, doch es gelang ihnen nicht, den Vorsprung zu verteidigen, weil sie zur Unzeit ihrem Schlafbedürfnis nachgaben. „Nach der Halbzeit haben wir fünf Minuten geschlafen und den Gegner gewähren lassen“, sagte Schaaf. Bochum kam dank der Tore von Sestak und Bechmann kurz nach der Pause binnen zwei Minuten zum Ausgleich.

Titelaspirant gegen Abstiegskandidat? Von einem solchen Gefälle war nichts zu bemerken. Im Gegenteil, der VfL startete wesentlich stürmischer in die Partie als Werder, vermochte seine Dynamik aber zunächst nicht in Tore umzusetzen. Obwohl die Bremer Abwehr zuweilen nicht den souveränsten Eindruck machte, geriet sie nur selten so in Bedrängnis wie bei der Flanke von Dennis Grote, die sich auf die Latte senkte. Nach diesem Schreckschuss aus der zwölften Minute bekamen die Norddeutschen Ball und Gegner allmählich besser unter Kontrolle. Ihr Mittelfeldstratege Diego wusste zwar nicht zu brillieren, gefiel sich aber als Unruhestifter in der Bochumer Hälfte. Der Brasilianer scheiterte zweimal am Bochumer Torhüter Lastuvka. Beim dritten Mal hatte Diego mehr Glück: vom Elfmeterpunkt überwand er den Schlussmann, der den Ball zwar noch berührte, aber nicht zu fassen bekam. Schiedsrichter Knut Kircher hatte einen Zusammenstoß zwischen Lastuvka und Sanogo – wohl zu Unrecht – als Foul des Bochumers gewertet. Sechs Minuten später verhalf Diego dem fünf Millionen teuren Stürmer Sanogo mit einer Freistoßvorlage zu dessen erstem Bundesligator für Werder.

So enttäuscht die Bochumer zur Pause in Kabine schlichen, so entschlossen kehrten sie eine Viertelstunde später zurück auf den Platz – mit dem festen Vorsatz, sich nicht wieder so demütigen zu lassen wie im siebten Spiel der vergangenen Saison, als sie den Bremern daheim 0:6 unterlagen. Wieder setzten die Westfalen den Gegner von Beginn an unter Druck, diesmal mit dem Erfolg der beiden schnellen Tore. Es folgte ein offener Schlagabtausch, an dessen Ende beide noch Chancen zum Siegtreffer hatten, sie aber nicht nutzten.

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