Sport : Überraschung! Hertha gewinnt

Nach acht sieglosen Spielen in Folge schlagen die Berliner den Karlsruher SC glücklich 3:1

Michael Rosentritt

Berlin - Man weiß ja, dass Fußballmannschaften recht sensible Gebilde sind. Nicht selten sind es ganz profane oder eben übersinnliche Dinge, die über Sieg und Niederlage entscheiden können. Seit gestern wissen nun auch die Fans von Hertha BSC, dass es nicht schaden kann, wenn beide Dinge zutreffen. Also, wenn die eigene Mannschaft vom Glück überaus begünstigt wird und eben ein Marko Pantelic auf dem Platz steht. Und siehe da, Überraschung: Hertha gewinnt wieder. Nach acht sieglosen Spielen in Folge schlug der Berliner Bundesligist vor 49 595 Zuschauern im Olympiastadion den Karlsruher SC 3:1 (2:0). Damit festigen die Berliner ihren Platz im tiefen, aber gesicherten Mittelfeld der Tabelle, für den KSC war der Ausgang des Spiels belanglos. Was nichts daran änderte, dass die Gäste das bessere Team stellten.

Seit über einen Monat stand Marko Pantelic wieder in der Startaufstellung der Berliner. Der lange Zeit nicht einsatzfähige serbische Torjäger nahm wie gewohnt seine Position in vorderster Front ein. Offenbar reicht allein seine Präsenz aus, um der Mannschaft ein gewisses Grundvertrauen zu verleihen. Keines der Spiele, die Hertha ohne den Torjäger in dieser Saison bestritten hat, mündete in einem Erfolg für die Berliner.

Auch gestern sah es lange nicht nach einem Erfolg aus. Nach der Anfangsviertelstunde hätte der KSC locker mit drei Toren in Führung liegen können, aber Hajnal, Freis und Iaschwili scheiterten aus jeweils aussichtsreicher Position. Hertha hatte demgegenüber lediglich einen harmlosen Kopfball von Gojko Kacar zu Stande gebracht. Das Spiel der Berliner wirkte fast über den gesamten Verlauf nervös und uninspiriert. „Man kann fragen, ob wir verdient gewonnen haben, aber gewonnen haben wir. Nur das zählte heute“, sagte Herthas Trainer Lucien Favre.

In eine aus Herthas Sicht planlosen Phase des Spiels hinein fiel die Führung der Berliner. Nach einer eigentlich harmlose Flanke von Arne Friedrich in den Strafraum der Gäste stieß Karlsruhes Torwart Miller mit Gojko Kacar zusammen und ging zu Boden. Den freien Ball drückte der gestern noch beste Berliner Kacar über die Torlinie. Nur fünf Minuten später war dann wieder einmal Pantelic zur Stelle. Nach einem Konter in Überzahl und einer präzisen Hereingabe von Patrick Ebert brauchte der Serbe nur den rechten Fuß hinzuhalten. Für Pantelic war es bereits der zwölfte Saisontreffer. Nur weitere fünf Minuten später hätte er fast das 3:0 erzielt. Doch Miller hielt mit einer glänzenden Parade. Es sollten die stärksten zehn Minuten der Berliner am gestrigen Nachmittag bleiben.

Mit Beginn der zweiten Halbzeit übernahm der KSC wieder die Kontrolle über das Spiel und hatte folglich auch die besseren Chancen. Einen Kopfball vom emsigen Hajnal parierte Herthas Torwart Jaroslav Drobny stark, kurz darauf segelte ein Fernschuss von Iaschwili hauchdünn am Pfosten vorbei. Dann aber, acht Minuten nach Wiederbeginn, war Drobny machtlos. Eine flache Hereingabe von Iaschwili vollendete Edmond Kapllani zum 1:2. Zwanzig Minuten vor dem Ende bewahrte erneut Drobny sein Team vor dem längst überfälligen Ausgleich, als er einen Heber Hajnals blockte. „Es ist ärgerlich, dass uns heute die Effektivität und Entschlossenheit fehlte“, sagte der Karlsruher Trainer Edmund Becker. „wir waren heute eigentlich nicht die schlechtere Mannschaft.“

Nur mit viel Glück überstand Hertha die konstruktivste und stärkste Druckphase des Aufsteigers aus Karlsruhe. Zehn Minuten vor dem Ende nahm Herthas Trainer Favre den erschöpften Pantelic vom Feld. Das Glück aber blieb für die weiterhin ängstlichen Berliner weiter im Spiel. Denn während Hajnal mit einem Kopfball nur die Latte traf, schloss der eingewechselte Rudolf Skacel einen Verlegenheitskonter kurz vor Abpfiff zum 3:1 für Hertha ab. Der Treffer hätte allerdings nicht zählen dürfen, weil Passgeber Mineiro zuvor im Abseits gestanden hatte. „Es gab Spiele, da waren wir die bessere Mannschaft und haben die Tore nicht gemacht. Heute war es umgekehrt“, sagte Skacel hinterher. Vielmehr gab zu diesem Spiel nicht zu sagen.

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