Sport : Überschätzte Füchse

Im Berliner Handball fehlen Spieler mit Erstligaformat

Hartmut Moheit

Berlin - Eine Nacht wollte Bob Hanning schlafen, bevor er sich äußern würde. Die eine Nacht nach der 17:31(4:17)-Blamage seiner Füchse Berlin gegen die Rhein-Neckar-Löwen war zwar gestern vergangen, geschlafen hat er dennoch nicht. „Ich habe endlos gegrübelt“, erzählt der schwer enttäuschte Füchse-Manager, aber die Blitzlösung sei ihm nicht eingefallen. „Auf keinen Fall ist unsere Harmlosigkeit im Angriff mit einem Trainerwechsel zu lösen“, sagt Hanning vorsorglich, um damit den üblichen Mechanismen des Profisports gleich vorzubeugen. Er gibt aber auch zu, dass sich „jeder Fuchs, ob Manager, Trainer oder Spieler hinterfragen lassen muss“.

Vier Treffer der Berliner in der ersten Halbzeit vor 4882 Fans in eigener Halle gegen die Badener, darunter zwei Siebenmeter, das war des Schlechten zu viel. Obwohl die Füchse mit drei Pluspunkten nach acht Spielen im selbst aufgestellten Soll liegen und den Großteil der Mitabstiegskandidaten in der zweiten Halbserie zu Hause empfangen werden, spricht Coach Jörn-Uwe Lommel kein Geheimnis an: „Wir haben einigen Spielern wohl zu viel zugetraut, sie überschätzt. Sie können in der Ersten Liga nicht bestehen.“ Pavel Prokopec, Frank Schumann oder Janko Bozovic konnten ihn nicht vom Gegenteil überzeugen. Im Gegenteil: Ihre Leistungskurve zeigt steil nach unten.

Dass der umtriebige Bob Hanning darauf reagieren muss und auch wird, ist zu erwarten. „Wir müssen den Rückraum verstärken“, sagt er und spürt dabei auch die Solidarität einiger Liga-Kollegen. Nicht umsonst hat der Manager der Rhein-Neckar-Löwen, Thorsten Storm, gesagt: „Berlin gehört in die Bundesliga, wir alle wollen das.“ Dass Spitzenteams wie seines derart stark besetzt sind, dass sie auch den einen oder anderen Spieler an andere Klubs abgeben könnten, ist eine Tatsache. Andererseits müssen die Manager vorbeugen, denn die Saison ist lang und wird nicht verletzungsfrei ablaufen. Ein Beispiel dafür ist der THW Kiel, der Meister und Champions-League-Gewinner. Weil dort Filip Jicha und Nikola Karabatic verletzt langfristig ausfallen, ist der angedachte Wechsel des Kielers Viktor Szilagyi nach Berlin kein Thema mehr. „Aber in diese Richtung müssen wir jetzt denken“, erklärt Hanning. Weitere Namen, die ihm im Kopf herumschwirren, möchte er nicht preisgeben. „Alles können wir jetzt gebrauchen, nur nicht auch noch zusätzlichen Druck von außen“, sagt er.

Bis zum Spiel am Sonntag in Minden wird es bei den Füchsen noch keine Verstärkung geben. „Jeder bekommt die Chance zur Wiedergutmachung“, kündigt Lommel an, der „eigene Fehler nicht sieht“. Seine erste Aufgabe sieht er darin, das Team aufzurichten und ihm neues Selbstvertrauen zu verleihen. „Da müssen wir gemeinsam durch“, sagt er nur.

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