Sport : Übersicht, Technik, Schnelligkeit

McElroy ist für Alba eine wesentliche Verstärkung

Helen Ruwald

Berlin - Marco Baldi hat es gelernt, bei einem Basketballspiel mehr zu sehen als nur, ob ein Profi ein harter Verteidiger ist, brillante Pässe spielt oder spektakuläre Dunkings versucht. „Ich kann an der Spielweise etwas über den Charakter lernen“, sagt der Geschäftsführer des Bundesliga-Tabellenführers Alba Berlin. Immanuel McElroy, der vor zwei Wochen von den damals insolventen Köln 99ers nach Berlin wechselte, „ist kein Hallodri, kein Mann für Hollywood. Er ist ein geradliniger, pragmatischer Typ. Wenn sich ihm eine Aufgabe stellt, steht er seinen Mann.“

Das war auch in den bisher drei Spielen für Alba zu sehen, wo der 27-Jährige bereits seine herausragenden Fähigkeiten andeutete. 2007 wurde er als bester Verteidiger der Liga ausgezeichnet und für das All-Star-Team nominiert. Stärken des Aufbauspielers sind zudem seine Spielübersicht, Technik und Schnelligkeit. Noch ist er dabei, sich ebenso wie Aleksandar Nadjifeji an das neue Team zu gewöhnen. Wie gut die beiden ehemaligen Kölner harmonieren, können sie heute gegen die Bayer Giants Leverkusen (18.30 Uhr, Max-Schmeling-Halle) demonstrieren. Sein wichtigster Korb in Berlin dürfte jedoch kaum zu überbieten sein. Im Mai 2006 traf er im dritten Finalspiel um die deutsche Meisterschaft in letzter Sekunde mit einem Dreipunktewurf zum Kölner Sieg über Alba. Es war die Vorentscheidung, kurz darauf feierte er seinen zweiten Titel in Deutschland nach dem Pokalsieg im Jahr zuvor. „Er gibt einer Mannschaft Stabilität“, sagt Baldi, der McElroy als introvertierten, wortkargen Menschen beschreibt. Interviews sind nicht seine große Leidenschaft, sein Handy stellt er lieber aus als an und kümmert sich um seine Familie. Vor allem den drei Kindern zuliebe wollte er in Deutschland bleiben. „Sie sind hier aufgewachsen und lernen Deutsch. Deshalb habe ich mich doppelt über das Angebot von Alba gefreut.“

McElroy war 17 Jahre alt und noch in der Highschool, als er erstmals Vater wurde, mit 19 hatte er zwei Kleinkinder. In einer Homestory, welche die Tageszeitung „The Enquirer“ 2001 über das Leben des 20-jährigen, verheirateten Familienvaters, Studenten und Basketballers veröffentlichte, beschrieb ihn der Mannschaftspsychologe als jemanden, „der ziemlich gut mit Stress umgehen und Prioritäten setzen kann. Er hat eine klare Vorstellung, wohin sein Leben führt. Er kann das große Ganze sehen.“ Über unterklassige US- Teams kam McElroy 2004 nach Köln. In Berlin hat er mit der Wahl der Nummer 23 gezeigt, dass er im Sport nach Besonderem strebt. Die 23 trug auch Michael Jordan, der beste Basketballer aller Zeiten.

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