Sport : Übung für den Meister

Trainer Gerland schult beim FC Bayern den Nachwuchs und fordert im Pokal Werder Bremen heraus

Moritz Küpper[München]

Hermann Gerland kennt seine Aufgabe genau. Als Trainer der Amateure des FC Bayern München soll er junge Spieler behutsam an den Profikader heranführen. Ob dieser Prozess jedem seiner Spieler verständlich ist, weiß Gerland nicht. Doch es gibt einfache Wege, dies vorzuführen: Vor knapp zwei Wochen mussten Bayerns Amateure nämlich Schnee schippen – damit die Profis trainieren konnten. Dass dafür eine kostbare Trainingseinheit ausfiel, störte Gerland, eigentlich ein Mann, der jede Minute auf dem Platz schätzt, weniger. „Wenn Not am Mann ist, dann machen wir das schon mal“, sagte er gönnerhaft.

Während die verpasste Trainingseinheit verschmerzt werden konnte, machte ihm der anhaltende Winter größere Sorgen. „Zur Vorbereitung auf das Pokalspiel gegen Werder Bremen brauchen wir unbedingt Spielpraxis“, hatte Gerland vor Wochen gesagt. Ein Wunsch, der nicht erfüllt wurde, da die ersten beiden Regionalliga-Spiele im Jahr 2005 abgesagt wurden. So wird heute das „Spiel des Jahres“ (FC Bayern-Hompage) gegen den Deutschen Meister zugleich auch das erste Spiel des Jahres. „Wir müssen das Beste daraus machen, sind aber nur Außenseiter“, stellte Gerland gestern fest. Der Trainer war in den Presseraum an die Säbener Straße gekommen, um über das Viertelfinale im Stadion an der Grünwalder Straße zu reden. „Uns fehlt einfach die Spielpraxis“, sagt Gerland. Die Vorbereitung auf den Pokalauftritt wurde aber nicht nur aus diesem Grund getrübt. Meist nahmen nur 14 Spieler an den Trainingseinheiten teil: Einige Spieler waren verletzt, drei Spieler absolvierten ihren Grundwehrdienst, Thorsten Fink nahm am Trainerlehrgang teil. Dass in der Winterpause zudem Piotr Trochowski zum Hamburger SV ging und Paolo Guerrero den endgültigen Sprung zu den Profis geschafft hat, schränkte Gerlands Möglichkeiten weiter ein. „Wir haben es schwer, jedes Jahr müssen wir neue, junge Spieler einbauen“, lautet die Losung, die Gerland Jahr um Jahr wiederholt. Es ist eine Feststellung, keine Klage des Chefausbilders der Bayern.

Die besten Amateure gehen halt in den Profibereich. Jüngstes Beispiel ist Guerrero. Der Peruaner spielte zu Saisonbeginn regelmäßig für die Amateure, doch seit er auch in der Bundesliga regelmäßig trifft, muss Gerland auf den 21-Jährigen verzichten. Dabei hatte der großen Anteil an den Erfolgen im DFB-Pokal: Nachdem er in der ersten Runde beim Erfolg gegen Mönchengladbach noch gefehlt hatte, schoss er die Amateure mit vier Toren in den nächsten beiden Runden gegen Braunschweig und Aachen bis ins Viertelfinale. Doch jetzt wird er wohl für die erste Mannschaft spielen, die am Mittwoch vom SC Freiburg gefordert wird. Guerrero werde „nicht bei den Amateuren auftauchen“, ließ Bayerns Cheftrainer Felix Magath mitteilen. Eine Situation, mit der sich Gerland abgefunden hat: „Priorität hat für uns, Spieler für die erste Mannschaft zu entwickeln. Jetzt haben wir wieder einen durchgekriegt – dafür sind wir da.“

Nicht schlimm, wenn andere von sich reden machen, wie Borut Semler beispielsweise. Der ehemalige Sturmpartner von Guerrero hat vor kurzem sein drittes Länderspiel für die Slowakei gemacht. Da es aber selbst den hochqualifizierten Nachwuchskräften noch an Erfahrung fehlt, hat Gerland Thorsten Fink in seine Mannschaft eingebaut. Als Kapitän soll der 37-jährige frühere Profi die Elf führen: in der Regionalliga und im DFB-Pokal. Unterstützung bekommt er dabei heute von Alexander Zickler und Thomas Linke. Neben Torwart Michael Rensing werden die beiden aus dem Profikader abgestellt.

Ob mit ihnen gegen Werder die große Überraschung gelingt, ist jedoch fraglich. Zwar sieht es momentan so aus, dass gespielt werden kann, doch in der Nacht sollen es minus 19 Grad werden. Käme Schnee hinzu, könnte das Spiel kurzfristig abgesagt werden. Oder die Amateure müssten Schnee schippen – diesmal dürften sie dann danach sogar selbst spielen.

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