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Uefa Champions League : FC Bayern München gewinnt Geisterspiel bei ZSKA Moskau 1:0

Keine Zuschauer und nur ein Tor. Der FC Bayern München gewinnt das Geisterspiel beim ZSKA Moskau 1:0. Der Erfolg gerät zu keinem Zeitpunkt wirklich in Gefahr, weil der Bundesligist fast ständig den Ball hat.

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Thomas Müller (l.) bringt die Bayern mit seinem Elfmetertor auf Kurs.
Thomas Müller (l.) bringt die Bayern mit seinem Elfmetertor auf Kurs.Foto: AFP

Können Gespenster singen? Immer wieder hallten Fangesänge über die leeren Zuschauerränge. Die Erklärung war wenig übernatürlich. Trotz der Stadionsperre hatten sich ZSKA-Fans vor der Chimki-Arena versammelt, ihre Rufe drangen ins Innere. Dort stimmten einige der gut 400 VIP-Zuschauer mit ein, meist tönten aber nur Rufe der Spieler über den Rasen vor 18 000 blauen Sitzschalen. Das Geisterspiel blieb aber auch deshalb leblos, weil die Bemühungen beider Teams steif wirkten wie Zombies, die einem Ball hinterher trotten. Trotz des 1:0 (1:0)-Sieges hätte sich der FC Bayern München eine leidenschaftlichere Atmosphäre für ihren 100. Sieg in der Champions League gewünscht. „Es war seltsam“, sagte Torschütze Thomas Müller. „Wir haben jetzt sechs Punkte aus zwei Spielen, etwas anderes gab es hier nicht zu gewinnen.“

Die Uefa hatte die Party vermiest, weil der europäische Verband auf der Strafe für rassistisches Verhalten bestand, die nicht nur die Moskauer Fans traf, sondern auch die Münchner. Zumindest konnten einige mitgereiste Bayern-Fans von einem benachbarten Hochhaus aus zuschauen.

Mitgekommen war auch Jerome Boateng, doch der formstarke Weltmeister blieb wegen Adduktorenproblemen auf der Bank. Dante und Medhi Benatia durften sich dafür in der Defensivzentrale versuchen, während um sie herum die Formationen wechselten. Was blieb: Der Ball zirkulierte endlos durch die hinteren Reihen, allein Xabi Alonso schien 60 Prozent Ballbesitz zu haben. Der russische Meister, der das erste Gruppenspiel 1:5 in Rom verloren hatte, verstellte mit einer Fünferabwehrkette die Räume im ansonsten weiten, leeren Rund. Dennoch boten sich den Gästen früh Torchancen, aber aufgeregt hätten diese die Zuschauer, wenn sie denn dagewesen wären, eher nicht.

Stell dir vor, es ist Champions League und kaum einer darf zuschauen.
Stell dir vor, es ist Champions League und kaum einer darf zuschauen.Foto: AFP

Erst nach 20 Minuten hätte es Grund zum Phantomprotest gegeben. Der brasilianische Außenverteidiger Mario Fernandes rutschte an der Strafraumlinie in Mario Götze hinein und der fiel noch in den Sechzehner. Mit dem Elfmeterpfiff zeigte der Schotte William Collum, dass er sich von der Heimkulisse nicht beeindrucken ließ. Ebenso wenig wie Thomas Müller, der den Strafstoß mittig verwandelte.

Thomas Müller erzielt per Elfmeter das einzige Tor für den FC Bayern München

Doch Leben brachte das nicht in die Angriffe der Bayern, die mehr die Breite als die Tiefe des Feldes vermaßen. Ein Abseitstor von Robert Lewandowski zählte zurecht nicht. Die Gastgeber kamen gefühlt nur auf halb so viele Ballkontakte wie Xabi Alonso, doch wenn ihre Pässe ankamen, stand die Münchner Dreier- bis Viererkette schlecht. Vor allem Benatia hatte Probleme mit der flinken Sturmspitze Ahmed Musa. Der Nigerianer vergab jedoch seine zwei Chancen, ebenso wie Roman Eremenko. Der Finne zog gern aus der Drehung ab, einmal zischte der Ball übers, einmal ans Lattenkreuz. Ein Ausgleich zur Halbzeit wäre spielstatistisch schwer zu untermauern, aber möglich gewesen.

Die Münchner Stars schienen sich ohne Publikum kaum zu Bestleistungen motivieren zu können, und wenn, dann gingen ihre Abschlüsse daneben oder wurden geblockt, wie nacheinander bei Robben, Lewandowski und Götze vor der Pause.

In der zweiten Hälfte stürmten die Gäste zunächst mit mehr Tempo. Aber als erste Bemühungen nicht zu vielversprechenden Torschüssen führten, schalteten sie wieder auf Passspiel-Autopilot. Hätten die Zuschauer bei gut vier Grad Abendtemperatur ins Stadion gedurft, sie wären wohl eingenickt und steif gefroren. Denn auch die Konterversuche der Moskauer blieben unterkühlt, selbst als mit Seydou Doumbia ein zweiter Stürmer den Platz betrat. Müller sowie die eingewechselte Shaqiri und Pizarro hatten noch halbe Chancen zum 2:0, aber schlafende Geister konnten sie damit auch nicht mehr wecken.

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