Sport : Uefa-Chef: Das Geschäft überdeckt das Spiel

Robert Ide

München - Die Eindämmung des Kommerzes im Fußball soll nun auch im europäischen Fußballverband Uefa besprochen werden. „Wir werden darüber reden müssen, wo die Grenze der Kommerzialisierung verläuft“, sagte Uefa-Präsident Lennart Johansson dem Tagesspiegel. „Vielleicht sind wir tatsächlich an den Punkt gekommen, an dem das Geschäft das Spiel zu überdecken beginnt. Hier stimme ich Franz Beckenbauers Analyse zu.“ WM-Organisationschef Beckenbauer hatte in einem Interview mit dieser Zeitung eine Generalreform gefordert: „Der Fußball braucht eine generelle Reinigung. Wir müssen über die Grenze des Geldverdienens reden.“ Daraufhin hatte der Präsident des Weltverbandes Fifa, Joseph Blatter, eine Selbstbeschränkung bei der Vermarktung von Weltmeisterschaften angekündigt und gesagt, der Verband wolle künftig das Optimum anstreben, nicht das Maximum. Uefa-Chef Johansson wies am Samstag allerdings auf die Schwierigkeiten dieses Vorhabens hin. „Solange Wirtschaft und Fernsehen hohe Millionensummen bezahlen, so lange wird die Entwicklung nur mit Mühe zu stoppen sein“, sagte Johansson. Das zusätzliche Geld, das durch Sportwetten in den Fußball fließe, müsse allerdings aus seriösen Quellen stammen. Die Rahmenbedingungen hierfür solle die Europäische Union schaffen.

In der Politik mehren sich die Stimmen, das Thema über die WM hinaus anzugehen. „Der Sport muss sich auf seine Wurzeln zurückbesinnen“, erklärte FDP- Sportsprecher Detlef Parr. Zuvor hatten Sportpolitiker der Regierungsfraktionen den zunehmenden Kommerz sowie das harte Geschäftsgebaren der Fifa kritisiert. „Das Rad hat inzwischen eine Umdrehung zu viel“, sagte auch der frühere Bundesinnen- und -sportminister Otto Schily (SPD). So sei etwa das Werbefernsehen völlig mit Fußball überfrachtet: „Ich habe das Gefühl, mit der kompletten Vermarktung nimmt sich der Sport selbst etwas von seiner Attraktivität.“ Beckenbauer kündigte Gespräche mit den Funktionären an: „Das Thema wird nach dem WM-Finale nicht erledigt sein.“

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