Sport : UEFA-Cup-Auslosung: "Wo liegt das denn?"

Klaus Rocca

Jürgen Röber blickte ziemlich hilflos drein. "Wo liegt das denn?", lautete seine erste Frage, als er gestern beim Training auf dem Maifeld den Gegner im Uefa-Pokal erfuhr. Niemand konnte ihm eine Antwort geben. Eine Stunde später hatte sich der Trainer von Hertha BSC sachkundig gemacht und verkündete: "Da ist ja fast die gesamte moldawische Nationalmannschaft." Die Rede war von FC Zimbru Chisinau. Mit dem hat es Berlins Fußball-Bundesligist im europäischen Pokalwettbewerb zu tun. Nicht gerade der attraktivste Gegner, "aber sportlich eine durchaus lösbare Aufgabe", wie Manager Dieter Hoeneß bei der Auslosung der ersten Runde in Zürich feststellte. Er hätte für die gesetzten Berliner lieber Lausanne Sports als Gegner gehabt.

Moldawiens Fußball wurde in unseren Breiten durch die Qualifikation zur letzten Europameisterschaft bekannt. Da hatte es Deutschland mit den Moldawiern zu tun. Das Hinspiel gewann die DFB-Auswahl 3:1, vor heimischem Publikum 6:1. Nicht weniger als acht Spieler von Zimbru Chisinau standen bei der zweiten Partie in der moldawischen Mannschaft. "Das sind gute Fußballer", erinnert sich Röber.

So gut nun auch wieder nicht. FC Zimbru Chisinau ist zwar mit acht Meistertiteln in den letzten neun Jahren im eigenen Land ohne Konkurrenz, ließ sich 1998 lediglich im Pokalfinale vom Lokalrivalen Constructorul überraschen, doch noch vor kurzem nahm der Klub in der Uefa-Rangliste einen bescheidenen 213. Platz ein. In der Qualifikation zur Champions League schlug sich Chisinau allerdings achtbar: im Vorjahr zog selbst Dynamo Tiflis den Kürzeren, erst PSV Eindhoven setzte in der dritten Runde ein Stoppzeichen, zuletzt war nach Erfolgen gegen SK Tirana und NK Maribor erst Sparta Prag mit zwei Mal 1:0 Endstation.

Hertha darf zuerst im Stadion der Republik antreten. Das fasst 22 000 Zuschauer. Wenn das Flutlicht funktionieren soll, muss in der Stadt der Strom auf ein Minimum reduziert werden. Im besten Zustand präsentiert sich der Rasen auch nicht. Nach dem 4500 Kilometer langen Flug wird sich Hertha also auf einiges gefaßt machen müssen. Spieltermin ist der 14. September, Anpfiff ist bereits in den Nachmittagsstunden. Die zweite Partie Herthas gegen Chisinau wird voraussichtlich am 28. September um 18 Uhr im Olympiastadion über die Bühne gehen. "Es könnte aber auch sein, dass wir bereits eine Woche früher, also am 21. September, Chisinau empfangen", erklärte Dieter Hoeneß. In der Woche spielt zwar auch die Champions League, doch die Uefa stellte dem DFB frei, dass einer der Uefa-Cup-Starter schon früher sein Rückspiel bestreitet. Das könnte Hertha sein.

Bei all der Aufregung über den Uefa-Pokal-Gegner geriet das heutige DFB-Pokalspiel Herthas beim SSV Reutlingen in den Hintergrund. Röbers Sorgenfalten wurden gestern noch größer. Er muss im Stadion an der Kreuzeiche nicht nur auf den noch immer gesperrten Alex Alves und den noch nicht völlig wiederhergestellten Stefan Beinlich verzichten, auch Eyjölfur Sverrisson und Andreas Schmidt fallen aus. Beide sind angeschlagen. Ihr Pech ist das Glück von Kostas Konstantinidis und Pal Dardai. Der Ungar, der es bei der starken Besetzung des Mittelfeldes immer schwerer hat, zum Zuge zu kommen, bekommt nun eine neue Chance. Selbst wenn er sie nutzt, wird ihm das kaum etwas nützen.

Hertha ist heute natürlich Favorit. Wer denkt da schon an TuS Langerwehe. Der warf Hertha 1979/80 im Wiederholungsspiel aus dem Pokal. Als Amateurklub.

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