Uefa-Cup : Bangen um Diego

Der Brasilianer wird Werder Bremen wohl im Uefa-Cup-Rückspiel fehlen - Hoffnung, das 3:1 aus dem Hinspiel zu verteidigen, macht vor allem Mesut Özil.

Frank Hellmann
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Wie sein Vorbild. Mesut Özil (re.), hier im Zweikampf mit Udineses Simone Pepe, hat sich viel von Diego abgeschaut. Jetzt baut...Foto: dpa

BremenIst Diego nun dabei oder nicht? Das Bangen um den vermeintlich unverzichtbaren Spielmacher überlagert die nächste Dienstreise des vielbeschäftigten Bundesligisten Werder Bremen. Das 42. Pflichtspiel dieser Spielzeit stellt heute das Uefa-Cup-Viertelfinale bei Udinese Calcio dar. Immerhin: Der Brasilianer war mit an Bord des Sonderfluges AB 1000 gestiegen, der die grün-weiße Entourage nach Triest brachte, von wo es weiter per Bus ins nordostitalienische Udine ging. Dort im Stadio Friuli wollen die Hanseaten ihren 3:1-Vorsprung aus dem Hinspiel verteidigen.

Für diesen Erfolg hatte maßgeblich ein überragender Diego gesorgt. Dummerweise sind die muskulären Beschwerden des 24-Jährigen seit der vergangenen Woche immer noch nicht abgeklungen, an Mannschaftstraining ist seit Tagen nicht zu denken. „Im Moment könnte ich nicht spielen, das wird sich erst am Spieltag entscheiden“, sagt der Brasilianer, der dreimal täglich von den Physiotherapeuten behandelt wurde. Mit Massagen und Stromtherapien. Ob es etwas nutzt? Trainer Thomas Schaaf spricht von einer „engen Kiste“ und manch einer will gar noch ein paar Falten mehr auf dem Gesicht des bald 48-Jährigen entdeckt haben.

Doch es ist falsch, dass bei Werder ohne die Nummer zehn Diego gar nichts geht. Schließlich spielt an dessen Seite ein Mesut Özil nicht minder stark auf. Der 20-Jährige, von den Kollegen oft „Diegolino“ gerufen, hat nicht nur Diegos Doppelpack gegen Udine vorbereitet, sondern über alle Wettbewerbe schon 17 Assists zu Buche stehen. Und als Diego im letzten Champions-League-Gruppenspiel gegen Inter Mailand (2:1) fehlte, war Özil der entscheidende Taktgeber – und zweifacher Torvorbereiter. Während sich zu viele Bremer Profis in dieser Saison rückwärts entwickelt haben, hat Özil gleich zwei Schritte vorwärts gemacht. „Eine sehr erfreuliche Entwicklung“, bescheinigt ihm Sportchef Klaus Allofs, der sich längst nicht mehr für die im Januar 2008 wenige Stunden vor Transferschluss getätigte Verpflichtung rechtfertigen muss. Der U-21-Nationalspieler, damals in Schalke als Raffzahn und Schnösel gebrandmarkt, kostete stolze fünf Millionen Euro – eine Investition, die sich doppelt und dreifach verzinst hat. Nach einigen Anlaufschwierigkeiten hat sich der Deutsch-Türke bestens integriert. Auch weil Trainer Schaaf den beschützenden Übervater gibt und den Filigrantechniker selbst nach schlechten Leistungen nie fallen ließ.

Der Lohn: Özils Ballbehandlung ist eine Augenweide, sein Spielverständnis verblüfft sogar internationale Beobachter. Özil, der Zinedine Zidane als sein Vorbild nennt, macht keinen Hehl, von wem er an der Weser gelernt hat. „Von Diego habe ich mir die Lockerheit und Lässigkeit auf dem Platz abgeschaut. Und die Kunst, den Ball zu sichern.“ Wie so viele Mitspieler ahnt der gebürtige Gelsenkirchener aber, dass der leibhaftige Anschauungsunterricht wohl bald zu Ende geht und es Diego vermutlich zu Juventus Turin ziehen wird. Vor diesem Hintergrund ist es mehr als ein Fingerzeig, dass Schaaf jüngst in Düsseldorf gegen Leverkusen eine neue Mittelfeldformation mit zwei „Sechsern“ erprobte, womit Özil die angestammte Position auf der linken offensiven Seite behielt. Gut möglich, dass diese Besetzung auch heute in Udine zur Stabilisierung beitragen soll – falls Diego fehlt.

Fest steht übrigens, dass Özil weiter für die deutsche und nicht für die türkische Nationalmannschaft spielen wird. Alle Spekulationen, das Debüt im Freundschaftsspiel gegen Norwegen sei noch nicht endgültig verpflichtend, räumte Özil selbst beiseite. „Diese Entscheidung ist definitiv.“ Bestes Indiz: Das Gästebuch seiner Homepage, in dem überwiegend Türken an die ehrenhafte Verpflichtung erinnerten, für den Halbmond aufzulaufen, ist seit geraumer Zeit geschlossen.

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