Uefa-Cup : Bayern verschenkt den Sieg

Auch der Vorzeigeverein des Deutschen Fußballs schaffte gestern keinen Sieg. Die Münchner kassieren gegen die Bolton Wanderers kurz vor Schluss den Gegentreffer zum 2:2.

Michael Neudecker[München]
Bayern
Lukas Podolski wird rustikal von den Beinen geholt. -Foto: dpa

Die 57. Minute hatte gerade begonnen, da erhoben sich die meisten der 66 000 Zuschauer in der ausverkauften Münchner Arena. Sie klatschten, nickten anerkennend – Lukas Podolski wurde ausgewechselt. Es wurde laut in der Arena, noch lauter aber war es drei Minuten später: Da ging Franck Ribéry. Der FC Bayern führte 2:1 gegen die Bolton Wanderers, und Podolski und Ribéry waren die Hauptdarsteller gewesen. Podolski hatte beide Tore erzielt, und Ribéry, nun ja, Ribéry hatte getan, was er in dieser Saison schon so oft getan hatte: Er hatte überragend gespielt. Die Münchner gewannen ihr erstes Heimspiel in der Gruppenphase des Uefa-Cups trotzdem nicht, das Spiel endete 2:2, unentschieden, schon wieder unentschieden. Damit verpassten die Bayern die vorzeitige Qualifikation für die nächste Runde. „Ich bin stocksauer“, sagte Bayerns Vorstandsvorsitzender Karl-Heinz Rummenigge.

Schon vor dem Anpfiff hatte sich so mancher im Umfeld der Münchner Sorgen gemacht, wegen der bereits 180 Spielminuten andauernden Torlosigkeit in der Bundesliga. Dann fiel das erste Tor – für Bolton. Es war die achte Minute, die Münchner Verteidigung war unachtsam, Ricardo Gardner kam an der Strafraumgrenze ungehindert zum Schuss, und Bayerns Linksverteidiger Marcell Jansen fälschte den Ball noch unhaltbar für Oliver Kahn ab. Die Zuschauer starrten fassungslos auf den Rasen oder zum Block der Gästefans, wo die mitgereisten Engländer wild feierten – die Bayern selbst dagegen ließen sich von dem frühen Rückstand kaum beeindrucken. Sie hatten ja Franck Ribéry und Lukas Podolski.

An diesem Donnerstagabend kam der zuletzt oft schwache Podolski zurück, er wurde wieder zu Poldi, dem Teenie-Stürmer, der mit seinem linken Fuß so tolle Treffer erzielen kann. In der 31. Minute beendete er eine sehenswerte Kurzpasskombination mit Ribéry und Bastian Schweinsteiger per Außenrist zum 1:1. Es war Podolskis erstes Tor für die Bayern nach 18 Pflichtspielen und seit knapp acht Monaten. Kurz nach der Pause legte der Nationalspieler noch einen Treffer nach. Nach einer wunderbaren Vorlage von Ribéry hob er den Ball unter die Latte zum 2:1.

Und Ribéry? Der schlug so viele Haken, dass Boltons Verteidigung nicht mehr mitbekam, wo er denn nun gerade war. Boltons Torwart Ali Habsi konnte seine Schüsse nur mit größter Mühe parieren. Umso erstaunlicher kamen die frühen Auswechslungen der beiden Besten, Ribéry und Podolski. Podolski „will am Samstag gegen Stuttgart wieder spielen“, begründete Hitzfeld, und Ribéry „hätte das 2:2 auch nicht verhindern können“. Nun: Vielleicht hätte er das dritte Tor erzielt oder zumindest vorbereitet.

Die für Ribéry und Podolski eingewechselten Toni Kroos und Luca Toni gaben sich zwar Mühe, doch sie konnten die beiden einfach nicht ersetzen. Es kam, wie es kommen musste. In der 82. Minute war die umformierte Abwehr der Bayern, in der Daniel van Buyten anstelle von Martin Demichelis spielte, erneut unsicher, Kevin Nolan lupfte den Ball über Lucio, und Kevin Davies, der von Christian Lell am Elfmeterpunkt allein gelassen wurde, zog ab und überwand Torhüter Oliver Kahn zum 2:2.

Rummenigge wollte die wundersamen Auswechslungen des Trainers erst nicht kommentieren. „Fragen sie doch den Trainer“, sagte er. Doch dann fügte er hinzu: „Die Zuschauer haben das Recht, die beste Mannschaft zu sehen. Ribéry und Podolski waren überragend, einige aus der zweiten Reihe dagegen haben nicht überzeugt.“ Hitzfeld hatte Lahm und Demichelis gar nicht erst in den Kader genommen, der Brasilianer Zé Roberto blieb nur auf der Bank. Hitzfeld selber war auch verärgert: „Wir waren zu sorglos. Das stinkt mir ganz gewaltig.“

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