UEFA-Cup : Die Leichtigkeit des Siegers

Bayer Leverkusen lässt Galatasaray Istanbul keine Chance und gewinnt 5:1.

Jörg Strohschein[Leverkusen]
Barbarez
Gute Lage: Die Leverkusener Spieler feiern Sergeij Barbarez, der das 3:0 erzielte. -Foto: ddp

Am Ende hangelte sich Sergej Barbarez mit einem Mikrofon in der Hand am Zaun vor der Leverkusener Fankurve entlang und versuchte, seiner Freude lautstark Ausdruck zu verleihen. Es war ein besonderer Abend für den 36-jährigen Bosnier, immerhin hatte er mit zwei Treffern am 5:1 (3:0)-Erfolg der Leverkusener über Galatasaray Istanbul im Rückspiel der Zwischenrunde des Uefa-Cups entscheidenden Anteil. Außerdem hatte Barbarez gestern in Leverkusen vor 22 500 Zuschauern gemeinsam mit seiner Mannschaft eine Leistung erbracht, die ihr in dieser Form wohl kaum jemand zugetraut hätte.

Feldkamp „Wir haben heute die Grenzen aufgezeigt bekommen"

Die Leverkusener haben nach dem torlosen Unentschieden aus dem Hinspiel gestern Abend nahezu mühelos das Achtelfinale des internationalen Wettbewerbs erreicht. Bereits nach 22 Spielminuten lag Bayer 3:0 nach Treffern von Sergej Barbarez, Stefan Kießling und erneut Barbarez uneinholbar in Führung und zeigte dabei eine „famose Leistung“, wie Trainer Michael Skibbe später urteilte. Es war beeindruckend zu sehen, wie ballsicher, engagiert, zweikampfstark und lauffreudig die Gastgeber in dieser Phase agierten und wie sehr sie den Tabellenführer der türkischen Liga dominierten. Und gerade die spielerische Leichtigkeit des Bayer-Mittelfeldes um Sergej Barbarez, Simon Rolfes, Tranquillo Barnetta und Bernd Schneider sorgte dafür, dass der Gegner lediglich wie eine Ansammlung von Statisten wirkte. „Wir haben heute die Grenzen aufgezeigt bekommen. Das Ergebnis geht auch in dieser Höhe absolut in Ordnung“, sagte Karl-Heinz Feldkamp, der Trainer der Türken.

Der 73-jährige Deutsche hatte während der Partie oft minutenlang am Spielfeldrand gestanden und, ohne sich zu bewegen, zugesehen, wie seine Mannschaft nur ein Spielball ihres Gegners war. Zu allem Überfluss für die Türken erzielte dann auch noch Karim Haggui nach einer verunglückten Abwehr von Torhüter Orkun Osak den vierten, Bernd Schneider mit einem Elfmeter nach Foul an Stefan Kießling den fünften Treffer für Bayer. Das Tor für Galatasaray fiel nach einem Handelfmeter durch Ahmed Baruso kurz vor Schluss – Manuel Friedrich hatte den Elfmeter verursacht. Das Tor dürfte das einzig positive Erlebnis dieses Abends für die insgesamt viel zu harmlosen Gäste gewesen sein. Auch der ehemalige Schalker Lincoln, den Feldkamp nach der Halbzeitpause einwechselte, brachte keine Linie ins Spiel von Galatasaray.

Skibbe: „Diese Terminansetzung ist Wettbewerbsverzerrung“

„Ich bin sehr zufrieden und auch stolz auf meine Mannschaft. Wir haben eine tolle Leistung gezeigt“, sagte Michael Skibbe. Doch die Leverkusener haben wenig Zeit, sich über diesen Erfolg zu freuen. Bereits am Sonnabend müssen sie im Spitzenspiel der Bundesliga gegen den FC Schalke 04 antreten. „Diese Terminansetzung ist Wettbewerbsverzerrung“, erzürnte sich der Leverkusener Trainer. Auch die Euphorie des Erfolgs gegen Istanbul werde daran nichts ändern können, sagte Skibbe. „Wir können in dieser kurzen Zeit keine Blessuren kurieren und uns nicht richtig regenerieren.“

Für Sergej Barbarez war die Partie gegen Schalke dagegen an diesem Abend noch völlig bedeutungslos und in weiter Ferne. Der Bosnier dachte vielmehr zwei Wochen in die Zukunft. Dann müssen die Leverkusener im Achtelfinale des Uefa-Cups gegen seinen geliebten ehemaligen Klub, den Hamburger SV, antreten – im ersten deutschen Europacup-Duell seit 1999. „Darauf freue ich mich sehr“, sagte Barbarez. „Schade, dass da eine große Mannschaft ausscheiden muss.“ Wen er damit meinte, ließ er aber offen.

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