Uefa-Cup : Diego und die alten Männer

Werder Bremen ringt dem AC Mailand kurz vor Schluss noch ein 1:1 ab.

Frank Hellmann

BremenStimmungsaufheller statt Stimmungstöter: Aus dem Schlagerspiel in der K.o.-Zwischenrunde des Uefa-Cups kann der geplagte Fußball-Bundesligist Werder Bremen zumindest ein wenig Zutrauen schöpfen. Nach einem mehr als verdienten 1:1 (0:1) gegen den AC Mailand halten die Norddeutschen die Hoffnung aufrecht, auf der internationalen Bühne weiter zu bestehen. Im Rückspiel am nächsten Donnerstag im San Siro spricht dennoch vieles für die ausgebufften Milan-Stars, die sich den Vorwurf gefallen lassen müssen, in Bremen zu wenig getan zu haben.

Das bestrafte Werders Spielmacher Diego, dem in der 84. Minute der überfällige Ausgleich gelang. Mit ausgebreiteten Armen lief der 23-Jährige danach zur Seitenlinie – gerade auf den Brasilianer hatte sich nach seiner Sperre in der Bundesliga und allerlei Eskapaden der Fokus gerichtet. Mit seinem Tor war der Rückstand aus der ersten Halbzeit spät, aber nicht zu spät egalisiert. Filippo Inzaghi hatte zehn Minuten vor der Pause in bekannter Manier zugeschlagen und das 1:0 erzielt. Vorausgegangen war ein Abspielfehler von Clemens Fritz, der durchaus typisch für die Malaise der Bremer war. Unbedrängt passte Fritz den Ball zum Gegner und leitete damit das Gegentor ein.

Dabei hatte Werder mit einem starken wie stürmischen Beginn den Gegner beeindruckt. Und schon nach einer Minute hätten die Bremer in Führung gehen können, ja müssen: Da fiel Alexandros Tziolis der Ball vor die Füße, doch der ausgeliehene Grieche brachte aus sechs Metern nur ein kümmerliches Schüsschen zustande. Nicht nur das ging beim 24-jährigen Mann mit der Nummer 16 daneben – dummerweise hatte sich Tziolis ein Werder-Trikot ohne Werbeaufdruck angezogen, das er dann Mitte der zweiten Halbzeit wechseln musste.

Anfänglich bekämpften die Bremer mit großem Aufwand ihren prominenten Widerpart; Diego rieb sich dabei als Ballverteiler und Ballschlepper auf, fand allerdings bei den Nebenleuten zu wenig Unterstützung. Mit einiger Verzögerung nahmen dann auch die alten Männer des AC Mailand an diesem nicht uninteressanten Spiel teil. Einer, den die 36 151 Zuschauer im ausverkauften Weserstadion sehnlichst erwartet hatten, saß leicht blessiert am Oberschenkel nur auf der beheizten Ersatzbank: David Beckham, 33, die neue Milan-Stil-Ikone, war nur ganz am Ende ganz kurz zu bestaunen. Diegos brasilianischer Kumpel Kaka dagegen gar nicht; der war verletzt in Mailand geblieben. Dafür mischten Superstars wie Ronaldinho oder Clarence Seedorf mit, die sich allerdings darauf beschränkten, punktuell Ausrufezeichen in Form netter technischer Finessen zu setzen. Auch deshalb war Werder in der zweiten Halbzeit die meiste Zeit tonangebend, doch mangelndes Präzision bei Flanken und Pässen (Tziolis, Boenisch) oder im Abschluss (Pizarro, Almeida) oder der brasilianische Torwart Dida (gegen Diego) verhinderte lange den überfälligen Torerfolg. „Wir haben die Möglichkeiten gehabt“, sagte Werders Trainer Thomas Schaaf. „Wir haben sie aber wieder nicht genutzt.“

Die Dienstreise hat für den AC Milan übrigens noch ein Nachspiel. Da Seedorf, Pirlo, Ronaldinho und Co. mit der verbotenen Aufschrift bwin ihres Trikotsponsors aufliefen, ist dem Gast bereits eine Verbotsverfügung zugekommen, dazu eine Geldbuße von 50 000 Euro. In Deutschland ist Werbung für Wettanbieter gesetzlich verboten. Ob die Mailänder die Geldstrafe allerdings bezahlen werden, ist zumindest fraglich.

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