Uefa-Cup : Halbfinale ohne Lohn

Halbfinale im Uefa-Cup, das ist doch was. Doch Bremen verdient zu wenig Geld in dem Wettbewerb.

Frank Hellmann[Bremen]

So ein Nordderby in vierfacher Ausfertigung ist zumindest für Schwarzhändler ein lohnendes Geschäft. Sobald jemand nur versehentlich sein Ticket vor dem Stadion zeigt, kommen die Geschäftemacher und geben Gebote ab – um die Karte wenige Meter weiter mit Aufschlag zu veräußern. So war es vor dem DFB-Pokal-Halbfinale im Hamburger Volkspark, so trug es sich vergangenen Donnerstag vor dem Uefa-Cup-Halbfinale am Bremer Osterdeich zu, und so wird es auch heute wieder in Hamburg vor dem Rückspiel sein, in dem Werder Bremen einem 0:1 hinterherhechelt (20.45 Uhr, live bei Sat 1).

Doch während sich die einen die Hände reiben, jammern die anderen. Sportlich ist der Uefa-Cup ja ein schöner Wettbewerb, findet Werders Vorstand Klaus Allofs, doch leider ist er finanziell nicht die große Nummer. Nur 600 000 Euro gibt es im Halbfinale vom europäischen Dachverband Uefa aus der Zentralvermarktung, das Viertelfinale war gerade 300 000 Euro wert. Dazu kommen zwar für jeden Klub rund eine Million Euro aus dem Marketingpool sowie Zuschauereinnahmen. Doch unter dem Strich bleibt nur für den etwas hängen, der das Finale am 20. Mai in Istanbul erreicht. Der Gewinner erhält 2,5 Millionen, der Verlierer 1,5 Millionen Euro. Große finanzielle Sprünge sind auch damit nicht drin; der in den Vorjahren im Uefa-Cup vielbeschäftigte Hamburger SV weiß das nur zu gut. Auf gerade drei bis vier Millionen Euro beziffert HSV-Boss Bernd Hoffmann den Gewinn. In der neuen Europa League, die ab der nächsten Saison anstelle des Uefa-Cups startet, soll zwar mit einer zentralen Vermarktung ab der Gruppenphase alles besser werden. Doch die wirklichen Zahlen sind noch nicht bekannt. Und Bremen spielt darin nur, wenn der Klub entweder den DFB-Pokal oder den Uefa-Cup gewinnt. Ohnehin wäre das nur ein kleiner Trost. Denn bei einem Umsatz von zuletzt 112 Millionen Euro bildeten die Einnahmen aus der Champions League den markantesten Träger, wie der zurückgetretene Finanzchef Jürgen L. Born erklärt hat. Fast 100 Millionen schaufelte Werder in fünf aufeinanderfolgenden Jahren in der Champions League, doch nun sitzen die Bremer in der Falle. Ähnlich wie der HSV beschäftigten sie Spieler für eine Summe von fast 50 Millionen Euro.

Doch während Hamburg seinen Gesamtetat von zuletzt 140 Millionen dank gewaltiger Steigerungen bei den Zuschauer-, Hospitality- und Sponsoreneinnahmen auch stemmen kann, wenn die Champions League verfehlt wird, sind Einschnitte bei Werder unvermeidlich. Das erklärt, warum Allofs Diego nicht für unverkäuflich erklärt. Im Grunde ist die Summe von rund 20 Millionen aus einem Transfer des Brasilianers längst eingeplant, um eine Saison ohne Champions-League-Gelder zu überstehen und die Mannschaft umzubauen. Es muss Ersatz für Kapitän Frank Baumann her, der aufhört, für Claudio Pizarro, der wohl weiterzieht, und für dringende Alternativen auf den Außenbahnen im Mittelfeld. Diegos Ersatz hat man schon: Mesut Özil, dessen bis 2011 laufender Vertrag bis 2013 verlängert werden soll. Hohe Ablösesummen haben seit jeher in Bremens Geschäftspolitik eine große Rolle gespielt. „Ich kann doch nicht sagen, wir verkaufen keinen Spieler, und dann kommt einer und bietet eine Riesensumme“, sagt Allofs. „Das Problem deutscher Klubs ist, dass wir uns dauerhaft aus dem Spielbetrieb finanzieren müssen.“ Und an den Gewinnen der Schwarzhändler nicht teilhaben.

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