Uefa-Cup : HSV: Auf der sicheren Seite

Der Hamburger SV steht in der nächsten Runde des Uefa-Pokals. Die Abwehr der Hanseatenlässt nicht nur im Uefa-Pokal kaum noch Torchancen zu. Die Defensivarbeit beginnt ganz vorn.

Karsten Doneck
HSV
Im Angriff. HSV-Stürmer Ivica Olic flankt den Ball -Foto: dpa

Berlin - Thimothee Atouba blickte bange hinter sich. Dort sah er seinen Gegenspieler mit dem Ball am Fuß entwischen. Zwei, drei Schritte lagen schon zwischen dem Verteidiger und Jorge Sammir – keine Chance mehr zum Eingreifen für Atouba. Doch ehe Sammir, der Brasilianer von Dinamo Zagreb, in Tornähe kam, funkte Joris Mathijsen energisch dazwischen, trennte ihn vom Ball. Und wieder hatte der Hamburger SV im Uefa-Cup- Spiel in Zagreb einen Angriff des Gegners gemeinschaftlich unterbunden, noch ehe er richtig gefährlich werden konnte. Dinamo erarbeitete sich vor heimischem Publikum so gut wie keine Torchance, verlor durch zwei Gegentore kurz vor Schluss sogar noch mit 0:2. Und HSV-Sportchef Dietmar Beiersdorfer konnte hinterher lobend feststellen: „Wir standen sehr kompakt und haben wenig zugelassen.“

Eine Aussage, die sich nach HSV-Spielen beliebig wiederholen lässt. In den neun Spielen in dieser Saison in UI-Cup und Uefa-Cup, das sind immerhin 810 Spielminuten, musste Hamburgs Schlussmann Frank Rost nur zweimal einen Ball aus seinem Tornetz holen. Der HSV und Panathinaikos Athen sind die einzigen Klubs von 40 noch beteiligten, die in der Gruppenphase des Uefa-Cups nach drei Spieltagen noch kein einziges Gegentor hinnehmen mussten.

Dabei gerät der HSV auch deshalb selten in Gefahr, weil er den Gegner meist geschickt vom eigenen Strafraum fernhält. „Wir haben nicht viele Torchancen zugelassen“, stellte Trainer Huub Stevens in Zagreb fest. Das ist auch eine Folge Stevenscher Philosophie: Auf Weisung ihres Trainers versteht die Mannschaft Fußball längst nicht mehr als unterhaltsames Spektakel, sondern als reine Präzisionsarbeit, gewissenhaft und hoch konzentriert ausgeführt.

Stevens hat nach seinem Amtsantritt als Nachfolger von Thomas Doll personell in der Abwehr wenig verändert. Bastian Reinhardt und Joris Mathijsen bilden weiter ein zuverlässiges Gespann in der Innenverteidigung. Statt der Aufstellung wurde vielmehr die Einstellung reformiert. Bastian Reinhardt sagt: „Ich teile unsere Spielweise nur ungern ein in Offensive und Defensive. Wir treten als Team sehr kompakt auf, unsere Defensivarbeit beginnt schon bei den Stürmern, die enorm viel nach hinten arbeiten müssen.“

Bei Thomas Doll gab es für die HSV-Abwehr die Anweisung, bei Balleroberung sofort auf Offensive umzuschalten, Rückpässe waren nahezu geächtet. Für Stevens hingegen gilt nach der Balleroberung als oberstes Prinzip die Ballsicherung. „Die erste Aufgabe eines Defensivmannes ist es, dass die Ordnung bestehen bleibt“, lautet eine der wichtigsten Maximen des Holländers. Das bringt mitunter öde anzuschauenden Schachbrett-Fußball, ist aber ungemein effektiv. Zumal die HSV-Profis die Vorgaben ihres Trainers blitzschnell begriffen und auch umgesetzt haben. Auf das 1:2 bei Hertha BSC am 3. Februar, als der gerade neu verpflichtete Stevens erst am Abend vor dem Spiel im Berliner Hotel zur Mannschaft gestoßen war und nur geringen Einfluss nehmen konnte, folgten sieben Bundesligaspiele mit insgesamt nur einem einzigen Gegentor. „Der Trainer hat uns eingeimpft, eng zu stehen und die Räume zuzumachen“, beschreibt Reinhardt den hanseatischen Stil.

Gegen diesen kompakten HSV anzustürmen, war von Beginn an mühsam. Und treibt offenbar die Gegner schon vor dem Abpfiff in die Resignation. So fing sich zum Beispiel Schalke 04 in der vorigen Saison nach drückender Überlegenheit die beiden Gegentore zum 0:2 im Heimspiel gegen den HSV in der Schlussphase ein. Beim 2:1-Sieg bei Bayern München am 28. April fielen beide HSV-Tore auch erst in den letzten 20 Minuten. Und am Mittwochabend in Zagreb gelangen den Hamburgern die beiden Treffer ebenfalls erst spät – in der 88. und 90. Minute. Alles eine Folge der Zermürbungstaktik?

Selbst wenn ein Abwehrspieler, wie etwa Thimothee Atouba in Zagreb, mal einen schwachen Tag erwischt, zieht das nicht zwangsläufig den Zusammenbruch des HSV-Systems nach sich. Stevens hat so viele Sicherungen in seinen Abwehrverbund eingebaut, dass nach verlorenen Zweikämpfen fast immer noch ein rettender Fuß zur Stelle ist. Und was sagt der Trainer selbst dazu? „Wir versuchen so Fußball zu spielen, wie es zu uns passt.“

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