Sport : Uefa-Cup: Italien feiert eine "einmalige Show"

Werner Raith

Wie Weihnachten, Ostern und Geburtstag zugleich sei diese Woche gewesen, befand der Sprecher des italienischen TV-Senders "Raiuno", eine "einmalige Show" hätten die italienischen Mannschaften abgeliefert, fand "la Repubblica", und von "spektakulärer Dominanz" schrieb die "Gazzetta dello sport". Selbst der eher betuliche "Corriere della sera" bewertete die drei Uefa-Cup-Tage schlichtweg als "einmaliges Schauspiel und eine Rehabilitation der italienischen Mannschaften auf der ganzen Linie".

Mit einem glatten 3:0 hatte der AS Roma in Hamburg den HSV deklassiert, in Mailand holte sich wenige Minuten vor Schluss Internazionale mit einem 2:1 gegen Hertha BSC den Einzug in die nächste Runde. Schon am Dienstag hatte Parma 1860 München mit 2:0 abgefertigt, und am Freitagnachmittag nahm Italien das Scheitern des Münchner Protests wegen eines Auswechselfehlers erleichtert auf.

In den Bars und auf den Piazze herrscht denn auch mindestens ebenso große Euphorie wie in den Redaktionsstuben. Vergessen, wenigstens für ein paar Stunden, die blamablen Vorstellungen der Champions-League-Mannschaften, die wochenlang allseits für Katerstimmung und für Tausende von Genesungsrezepten für den Italo-Fußball gesorgt hatten. Die deprimierende Bilanz in Europas Königsklasse: Juventus Turin ausgeschieden, Meister Lazio Rom ohne Punkt an letzter Stelle der Gruppe D. Nur der AS Milan ist nach einem mageren 1:0 gegen Deportiva la Coruna noch im Rennen.

Doch nun ist da das Gefühl, mit den Siegen über die Teutonen endlich wieder wer in Europa zu sein - schließlich waren die Besiegten ja nicht irgendwelche Schlusslaternen, sondern Spitzenreiter wie Hertha. Und all diese Erfolge haben die Italiener mit Mannschaften eingefahren, die wie AS Roma nur "mit einer Ersatzmannschaft" ("la Repubblica") angetreten waren oder die in der heimischen Liga derzeit allenfalls im Mittelfeld mitmischen. Inter, das derzeit gerade mal auf Rang neun rangiert, verwirrt seine Fans mit einem ständigen Auf und Ab zwischen gerade noch erreichten Siegen und blamablen Niederlagen - wie das 1:6 im Pokalduell beim AC Parma vorletzte Woche.

Der einzige, der im Jubel einen kühlen Kopf behält, ist offenbar Inter-Trainer Tardelli. Der sieht den Sieg seiner Mannschaft als "merkwürdig" an und keineswegs als gekonnt herausgespielt. In der Kabine grummelte er nach dem glücklichen Sieg gegen Hertha: "Bei allem Respekt: deutsche Mannschaften sind derzeit wirklich kein echter Prüfstein." Doch das wollen die meisten Fans nicht hören - schließlich steigt der Wert des eigenen Sieges mit der Stärke des Gegners.

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben