Uefa-Cup : Jubeln bei Bremen, Jammern in Hamburg

Werder Bremen kann eine verkorkste Saison doch noch zum Glänzen bringen.

Frank Hellmann[Bremen]
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Starkes Team. Werders Spieler tragen den verletzten Per Mertesacker zum Jubeln. Fotos: ddp

Auch einen Tag nach dem 3:2-Triumph im dritten von vier Nordderbys gegen den Hamburger SV herrschte bei Werder Bremen noch eine ausgesprochen gute Laune. Allein Werder-Trainer Thomas Schaaf musste die euphorische Stimmung mit einer ernsten Nachricht dämpfen: Per Mertesacker hat wie befürchtet einen Bänderriss im rechten Fuß erlitten. „Ich hoffe, dass er sich diese Saison noch mal einschalten kann, denn wir haben ja noch ein paar Termine“, sagte Schaaf. Das dürfte knapp werden: Der Knöchel des Nationalspielers ist faustgroß geschwollen, auf Krücken humpelte er nach dem Bremer Erfolg aus der Kabine, den Tanz vor den Anhängern konnte Mertesacker nur mitmachen, weil ihn die Kollegen auf Händen dorthin getragen hatten.

Doch Schaaf mag nicht jammern, „auch wenn wir noch nix zum Festhalten haben“. Dass sein Team zweimal den Spielverderber für den Hamburger SV spielen konnte, erst das Uefa-Cup-Finale gegen Schachtjor Donezk in Istanbul bestreiten darf und dann das DFB-Pokal-Endspiel gegen Bayer Leverkusen, gibt dieser eigentlich verkorksten Spielzeit doch noch Glanz. „Wir wollen jetzt die Pötte holen“, sagte Torwart Tim Wiese.

Torsten Frings konnte sich einen Seitenhieb auf den HSV nicht verkneifen: „Das haben die Hamburger davon, dass sie so früh gefeiert haben.“ Frings hatte den „größeren Willen“ auf Werders Seite ausgemacht, „wir haben jeden Grashalm umgewühlt“. Sportdirektor Klaus Allofs fand es „sensationell, was wir diese Saison geschafft haben, die Mannschaft hat großes Potenzial“. Das ist ein bisschen geflunkert, denn das besagte Potenzial ist im Grunde auf die beiden Südamerikaner Diego und Claudio Pizarro beschränkt. Doch der Wechsel des Brasilianers Diego zu Juventus Turin, der Werder 25 Millionen Euro einbringt, ist so gut wie beschlossen. „Wir haben ihm die Zusage bei seiner Vertragsverlängerung gegeben“, sagte Allofs, und Schaaf ergänzte lapidar: „Wenn er anderswo glücklich werden will, müssen wir damit leben.“

Gegen den HSV spielte der 24-Jährige erneut überragend und schoss sein 20. Pflichtspieltor dieser Spielzeit zum 1:1. Aber ein Scharmützel mit Alex Silva hat für Diego böse Folgen: Im Finale von Istanbul wird er gesperrt fehlen. „Das ist schlimm für mich und macht mich traurig“, sagte Diego. Allofs beschimpfte den belgischen Schiedsrichter Franck de Bleeckere. „Es ist eine Katastrophe für die Mannschaft und den Spieler.“ In Istanbul wird auch Hugo Almeida gelbgesperrt fehlen, was allerdings weit weniger schlimm ist, da Pizarro ohnehin seit Wochen allein Werders Sturm bildet und nicht umsonst das 1:1 vorbereite und das 2:1 erzielte.

Wenig schlimm wäre es auch, wenn Werder am Sonntag das vierte Nordderby gegen den HSV verlieren sollte. Mit Mertesacker, dazu den gesperrten Clemens Fritz und Sebastian Boenisch fällt beinahe die komplette Viererkette aus. Aber die Bundesliga ist den Bremern inzwischen reichlich egal. Sie denken jetzt nur noch an die Pötte.

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