Uefa-Cup : Kahn: "Durchwursteln reicht nicht"

Er ist wieder da, der wilde, ehrgeizige, manchmal etwas übermotivierte Oliver Kahn. Gegen den SC Braga hat der Keeper dem FC Bayern den Punkt gerettet. Nach dem Spiel holte er zum Rundumschlag gegen die Kollegen aus.

Christian Kunz[dpa]
Kahn
Mitten im Gewühl. Oliver Kahn, wie man ihn kennt. -Foto: dpa

Porto/Braga Gegen Mitternacht machte beim festlichen Uefa-Cup-Dinner des FC Bayern mit Shrimps und Lachsfilet zwar schon die frohe Botschaft vom Weiterkommen die Runde, doch trotz aller Rechenkünste ist der deutsche Fußball-Rekordmeister so weit noch nicht. Durch das 1:1 (0:0) beim SC Braga muss der Bundesliga-Spitzenreiter am 19. Dezember gegen Aris Saloniki nicht nur in ein Endspiel um den Gruppensieg, sondern kann theoretisch auch noch aus dem zweitklassigen europäischen Wettbewerb ausscheiden. "Das Problem ist, dass wir glauben, ein bisschen Fußballspielen reicht. Was fehlt, ist die letzte Leidenschaft, der letzte Biss, der letzte Wille. Momentan versuchen wir, uns durchzuwursteln. Das reicht nicht", schimpfte Kapitän Oliver Kahn, obwohl sein Team nach drei Spieltagen der Uefa-Cup-Gruppenphase Tabellenerster ist.

Die Wahrscheinlichkeit eines Ausscheidens des Millionen-Ensembles, das weiter alle Trümpfe in der eigenen Hand hält, ist zwar gering. Aber spätestens seit dem mageren Remis gestern im Felsenstadion müssen Ribéry, Toni & Co. einsehen: Die Bäume wachsen auch in Europas zweiter Liga nicht in den Himmel. "Wie überheblich muss man sein, dass man nach Portugal fährt und glaubt, dass man alle Spiele gewinnt. Wir haben von drei Spielen noch keines verloren, was wollt ihr eigentlich mehr?", ereiferte sich Uli Hoeneß. Der Manager betonte, dass er "zufrieden" sei - im Gegensatz zum Trainer. "80 bis 90 Prozent reichen nicht. Wir müssen 100 Prozent bringen und den Hunger behalten", sagte Ottmar Hitzfeld: "Fußball ist ein Kampfspiel, nur rein spielerisch geht es nicht."

In der Felsenhölle

An nüchternen Zahlen gemessen hat Hoeneß natürlich recht, wenn er von einer "wunderbaren Ausgangsposition" für den Gruppensieg spricht, denn ein Sieg kurz vor Weihnachten reicht zur Bescherung. Aber vom erhofften spielerischen Spektakel war das Starensemble gegen einen hervorragend organisierten und zum Teil sehr hart agierenden portugiesischen Gegner weit entfernt. "Wir sind es gewohnt, vor 80.000 in Madrid, Manchester oder Barcelona zu spielen, und jetzt spielst du halt in der Felsenhölle von Braga vor 5000, die Stimmung ist mau - das wirkt sich nicht sehr motivierend auf die Mannschaft aus", stimmte der starke Rückhalt Kahn ehrliche Töne an. Besserung ist allerdings in Sicht. "Da muss man sich durch die ersten Runden einfach durchbeißen. Je näher man dann dem Achtel- Viertel-, und Halbfinale kommt, desto attraktiver wird das Ganze."

Bis es zu den auch im Uefa-Pokal vorhandenen Leckerbissen kommt, müssen sich die Bayern zumindest in der Gruppenphase und wohl auch in der Runde der letzten 32 weiter mit wenig schmackhafter Kost zufrieden geben. Das gilt auch am Sonntag in der Bundesliga in Bielefeld, wo Hitzfeld sein Team "in Zugzwang" sieht: "Es wird ein Kampfspiel auf der Alm. Unser Ziel ist die Herbstmeisterschaft, insofern müssen wir drei Punkte holen", sagte der Coach.

Kurz-Comeback von Sagnol

Trotz aller Klasse, die Miroslav Klose (47.) mit seinem dritten Wettbewerbstreffer trotz des Ausgleichs von Roland Linz (66.) andeutete, haben die Münchner im Uefa-Cup noch nicht ausgelernt. "Wir haben wieder - wie gegen Bolton - eine Führung verspielt, da müssen wir uns mit Sicherheit Gedanken machen", sagte Nationalspieler Philipp Lahm nach der Schwerstarbeit im Steinbruch. "Auch im Uefa-Cup marschiert man nicht durch."

Das fast schon erzwungene Comeback von Willy Sagnol nach acht Monaten Verletzungspause für ein paar magere Minütchen ging fast unter. Und so ganz recht war dem Franzosen, der mit seinen Wechselwünschen für einige Unruhe gesorgt hatte, der späte Einsatz in Braga wohl kaum, weil er bei einem Vereinswechsel im Winter für den neuen Klub nun nicht mehr im Europapokal spielen dürfte. "Das war wie eine Art Freundschaftsspiel. So hat sich das vor dem Spiel zumindest angefühlt", gestand sein Vertreter Christian Lell angesichts der kargen Kulisse in der Felsenarena. (ae/dpa)

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