Uefa-Cup : Kleiner General, große Wirkung

Mit St. Petersburg kann Dick Advocaat heute gegen seinen früheren Klub Glasgow Rangers den Uefa-Cup holen.

Michael Neudecker
Dick Advocaat
Dick Advocaat. -Foto: ddp

MünchenDer Fußballtrainer Dick Advocaat aus Den Haag hat schon einiges erlebt und viel gesehen: Er war Nationaltrainer seiner Heimat Niederlande, er war in den Vereinten Arabischen Emiraten, in Südkorea, Mönchengladbach, Eindhoven und in Glasgow. Seit Juli 2006 ist der 60-Jährige nun Coach in Russland, bei Zenit St. Petersburg, und es scheint, als sei er endlich dort angekommen, wo er schon immer hinwollte. „Es ist ein Wunder, was hier in St. Petersburg passiert“, sagt Advocaat euphorisch. Das ist schon bemerkenswert – weil Advocaat eigentlich ein Euphoriepotenzial hat, das so ist wie das von Bayerns scheidendem Trainer Ottmar Hitzfeld: ziemlich begrenzt. „Der kleine General“, so wird Advocaat genannt.

Wenn Advocaat diesen Mittwochabend in Manchester zum Uefa-Cup-Finale gegen die Glasgow Rangers (20.45 Uhr bei Sat.1 und Premiere) antritt, dann kann er seine Karriere mit einem Erfolg krönen, den er in seiner nun 27 Jahre langen Laufbahn noch nicht geschafft hat: Er hat nationale Meisterschaften und Pokale geholt, doch er ist noch nie Sieger in einem internationalen Wettbewerb gewesen. Jetzt steht er kurz davor, Zenit St. Petersburg ist der Favorit gegen Glasgow, dem früheren Arbeitgeber von Advocaat.

Für den klein gewachsenen Niederländer bedeutet dieses Finale zugleich einen dicken Pluspunkt fürs eigene Image. Gerade in Deutschland ist das ja ein wenig geschädigt, nachdem Advocaat in der Saison 2004/05 Borussia Mönchengladbach derart erfolglos betreute, dass er vorzeitig gehen musste. Dabei hatte er nur so gearbeitet, wie er es bei seinen Vereinsstationen zumeist tat: Er hat Spieler geholt, die einen Namen haben. Bisweilen klappte das. Doch als Advocaat ging, egal, ob ohne Erfolg wie in Gladbach oder mit Erfolg wie in Glasgow (er holte im ersten von vier Jahren das Triple), dauerte es stets eine Weile, bis sich die Vereine von seiner teuren Personalpolitik erholten. Auch deshalb ist Zenit St. Petersburg vielleicht der perfekte Klub für Dick Advocaat. Er ist hier eine unumstrittene Autorität, und an Geld mangelt es beim vom staatlichen Energieriesen Gasprom finanzierten Verein nicht gerade. 2007 holte Advocaat den ukrainischen Nationalspieler Anatoly Tymoschuk von Schachtjor Donezk nach St. Petersburg, für 15 Millionen. Eine Rekordsumme in Russland.

Die Mannschaft, die Advocaat in St. Petersburg geformt hat, ist dennoch alles andere blindwütig zusammengekauft. Sie besteht überwiegend aus jungen, talentierten Russen, wie etwa den Stürmern Pawel Pogrebnjak oder Andrej Arschawin. Pogrebnjak wird zusammen mit Luca Toni die Torjägerkrone im Uefa-Cup bekommen, aber er ist im Finale gelbgesperrt. „Das ist ein schwerer Verlust“, sagt Advocaat, „aber definitiv keine Tragödie.“ Weil er auch genügend andere Spieler hat, die seinen auferlegten Stil umsetzen können: Schneller Konterfußball mit viel Ballsicherheit und Offensivdrang. Bayern-Torhüter Oliver Kahn stellte kürzlich fest, Zenit sei „die einzige Mannschaft in diesem Wettbewerb mit Champions-League-Format“. Beim 4:0-Sieg im Halbfinal-Rückspiel gegen den FC Bayern hat Zenit das eindrucksvoll bewiesen.

Natürlich kommt Zenit auch der Verband zu Hilfe: Gleich vier Ligaspiele wurden in den Juli verschoben, damit man sich in Ruhe auf das Finale vorbereiten kann. In Russland ist das üblich: ZSKA Moskau etwa bestritt 2005 nach dem Erreichen des Uefa-Cup-Halbfinales vom 17. April bis 22. Mai keine einzige Ligapartie – und besiegte im Finale Sporting Lissabon. Für Zenit soll der Uefa-Cup nun zweierlei sein: Ein Triumph wie auch der Beginn einer aussichtsreichen Zukunft. Derzeit belegt die Mannschaft zwar nur Platz 13 in der russischen Liga, doch das macht nichts. 2007 wurde Zenit Meister – und spielt schon bald in der Champions League.

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