Sport : Uefa-Cup: VfB ist aus dem Koma erwacht

Dem etwas angeschlagenen VfB Stuttgart geht es wieder bedeutend besser. Der Einzug in die dritte Runde des Uefa-Cup-Wettbewerbs dank eines phasenweise überzeugend herausgespielten 3:1 (3:0)-Sieges am Donnerstagabend im heimischen Daimler-Stadion über den FC Tirol Innsbruck war die beste Medizin für die zuletzt fußballerisch und finanziell dahinsiechenden Schwaben. "Zumindest sind wir jetzt aus dem Koma erwacht", beantwortete Pablo Thiam, neben dem souveränen Schlussmann Timo Hildebrand und dem zweifachen Torschützen Viorel Ganea bester Akteur in einer insgesamt starken VfB-Mannschaft, die Frage nach dem Gesundheitszustand des schwächelnden Patienten. Chefarzt Ralf Rangnick passte der Krankenhaus-Vergleich dagegen nicht. "Wir lagen nie auf der Intensivstation", sagte der Trainer entschieden.

Rangnick räumte aber ein, dass die massive Kritik nach einer Serie von Misserfolgen sowie die finanzielle Schieflage mit fast 30 Millionen Mark Verbindlichkeiten nicht spurlos an ihm und seinen Schützlingen vorbei gegangen seien. "Das Weiterkommen ist enorm wichtig für die Mannschaft, aber noch wichtiger für den Verein. Der Sieg über Innsbruck ist gut für das Selbstvertrauen und den Geldbeutel." VfB-Sportdirektor Karlheinz Förster sagte: "Der Einzug in die nächste Runde hilft uns allen weiter, auch wenn man das jetzt nicht direkt in Mark und Pfennig ausdrücken kann."

Hildebrand wies darauf hin, wie stark die belastenden Geschehnisse auch den Spielern an die Nieren gegangen sind: "Wir sind erleichtert. Jetzt kommt endlich etwas Ruhe in den Verein." Rangnick und Förster lobten den 21 Jahre jungen Torhüter ausdrücklich. Als nach Jerzy Brzeczeks Treffer in der 62. Minute - Thomas Schneider (7.) und Ganea (18./45.) hatten für einen nur scheinbar beruhigenden 3:0-Vorsprung gesorgt - die in der ersten Halbzeit so souveränen Stuttgarter plötzlich gewaltig ins Schwimmen gerieten, bewahrte Hildebrand Ruhe und den VfB durch Glanztaten vor dem drohenden Pokal-Aus. "Wir müssen uns bei Timo bedanken", sagte der Trainer. "Er hat gezeigt, dass er auch taktisch ein guter Torwart ist."

Jetzt wollen die Schwaben in der Bundesliga den positiven Trend fortsetzen. Rangnick hofft darauf, am Sonntag bei Energie Cottbus "an die Leistung anknüpfen zu können. Vielleicht gelingt uns dort ja der erste Auswärtssieg". Thiam, dessen Wechsel zum FC Bayern München der Trainer erneut zutiefst bedauerte ("Das tut enorm weh"), ist zuversichtlich, die kleine Serie mit drei Siegen im DFB-Pokal, Liga und jetzt UEFA-Cup ausbauen zu können.

"Ich bin für die nächsten Wochen optimistisch. Solche Erfolge geben jeder Mannschaft Auftrieb", sagte der unermüdliche Antreiber. Allerdings weisen die Schwaben trotz der Besserung gegen Tirol noch Schwachstellen auf. Der kräftemäßige Einbruch nach dem Wechsel wäre gegen den Österreichischen Meister und Tabellenführer beinahe noch zum Verhängnis geworden. "Wir mussten unserem hohen Tempo aus der ersten Halbzeit Tribut zollen", gestand Trainer Rangnick, dass der VfB noch längst nicht über den Berg ist.

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