Sport : Uefa: Das gesamte System wackelt

Erneuter Konflikt zwischen der Europäischen Fußball-Union Uefa und dem Welt-Verband Fifa: Wenn die Fifa im Zuge der Transferstreitigkeiten mit der Europäischen Union (EU) die Dinge weiter schleifen lassen sollte, will die Uefa selbst aktiv werden. Am 31. August kommt es in Zürich zu einem "Friedensgipfel", bei dem beide Fußball-Verbände versuchen werden, ihre Interessen noch einmal zu koordinieren.

Bis zum 20. September müssen laut EU-Ultimatum die beiden Verbände in Brüssel Vorschläge unterbreiten, wie sie die Unsitte stoppen wollen, mit Spielern langfristige Verträge abzuschließen, um bei einem Vereinswechsel dann wegen "Vertragsauflösung" abkassieren zu können. So wird derzeit das Bosman-Urteil vom 15. Dezember 1995 unterlaufen, das Transferzahlungen nach Ablauf eines Vertrages verbietet. Uefa-Präsident Lennart Johansson: "Dieses Ultimatum muss vom Tisch. Dann können wir vernünftig miteinander reden".

Die Uefa will der EU ein revolutionäres Angebot machen. Demnach müssten die Vereine eine noch zu definierende Anzahl von Spielern in der Profi-Mannschaft einsetzen, die vom Verein selber ausgebildet worden sind. So würde der Nachweis erbracht, dass Profi-Klub nicht nur ein Wirtschaftsunternehmen ist, und so würde sich andererseits für die Vereine auch Ausbildung wieder lohnen. Werden die Drohungen der EU andererseits in die Tat umgesetzt, ist für die Vereine kurzfristiges Kaufen allemal billiger als langfristige Ausbildung mit dem Risiko, dass der Jungstar nach drei Monaten die Brocken hinschmeißt.

Eigentlich ist das Transferrecht Angelegenheit der Fifa. Die aber - so der bei Zwischentönen immer mitschwingender Vorwurf der Uefa - kümmert sich angesicht von 204 Mitgliedsverbänden nicht sonderlich um die Probleme von rund 20 europäischen Ländern. Die Klubs dieser Verbände wiederum, die tagtäglich mit den Auswirkungen der EU-Vorschriften zu kämpfen haben, verlangen von der Uefa eine wirkungsvollere Interessen-Vertretung. Johansson: "Wir wollen unsere Position gemeinsam mit der Fifa vertreten, aber wir bestehen darauf, in dieser Frage direkte Kontakte mit der EU haben zu dürfen. Nur Briefe schreiben reicht nicht! Man muss miteinander reden."

Sollte die EU-Kommission den Spielern das Recht zugestehen, trotz bestehender Zeitverträge diese Kontrakte mit dreimonatiger Kündigungsfrist beenden zu können, sieht Uefa-Generaldirektor Gerhard Aigner das Ende des Fußballs in der bisherigen Form gekommen: "Gibt es keine Identifikationsmöglichkeit mehr zwischen Fans, Spielern und Verein, ist die gesellschaftliche, soziale und kulturelle Rolle des Fußball zerstört."

Die theoretische Möglichkeit, nur noch Verträge über ein Jahr abzuschließen, ist für Aigner ein Denken in die falsche Richtung." Kein seriöser Trainer könnte mit diese Tatsache leben, weil dann keine Mannschaft mehr wachsen kann." In dieser Einschätzung weiß Aigner sich sogar einig mit den Topklubs Europas, die eigentlich hinter jeder Mark her sind, aber auch nicht die Strukturen zerstören wollen, die ihnen das Geldverdienen ermöglichen. Aigner: "Der Fußball funktioniert nur durch zwei Prinzipien: Verträge müssen eingehalten werden. Und Ausbildung muss sich lohnen." Um dieses der EU zu vermitteln, kommen Fifa und Uefa sehr spät.

Die Auswüchse auf Vereinsseite, nämlich mit Millionen um sich zu werfen, will die Uefa mit einem Lizenzierungsverfahren für Champions League und Uefa-Cup bekämpfen. Es soll von 2002 an eingeführt werden. "Als Vorbild gelten die Verfahren in Deutschland und den Niederlanden", sagte DFB-Vizepräsident Gerhard Mayer-Vorfelder. Dann könnten Vereine wie Real Madrid große Schwierigkeiten haben, die Teilnahmebedingungen an den europäischen Wettbewerben zu erfüllen. Nicht zuletzt durch den Figo-Transfer ist der Schuldenberg Reals auf über 500 Millionen Mark angewachsen.

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