Sport : Uefa: Die Europäische Fußball-Union zweifelt an Blatters Zahlen

Die Auseinandersetzungen zwischen dem Fußball-Weltverband Fifa und der Europäischen Fußball-Union (Uefa) gehen weiter. Der Uefa-Generalsekretär Gerhard Aigner hat die am Mittwoch von Fifa-Präsident Joseph Blatter vorgelegten Zahlen zu den finanziellen Verlusten seiner Organisation nach dem Konkurs des Marketingunternehmens ISMM/ISL in Frage gestellt. "Die bisherigen Rechnungen wollen offenbar einiges verwischen. Ich glaube, die Zahlen sind höher als bisher bekannt", sagte Aigner im Radio "FAZ 93,6 Berlin".

Der Fifa-Präsident hatte von Einbußen in Höhe von 51 Millionen Schweizer Franken (rund 33,5 Millionen Euro) gesprochen. Dazu seien Zahlungen von 15 Millionen Dollar (rund 17,4 Millionen Euro) des japanischen Marketingunternehmens Dentsu und 75 Millionen Schweizer Franken der brasilianischen TV-Anstalt Globo bei ISMM/ISL auf einem fremden Konto verschwunden. Dennoch rechnet Blatter aus dem Geschäft der beiden nächsten Weltmeisterschaften mit Einnahmeüberschüssen von 225 Millionen Schweizer Franken.

Wie Blatter glaubt Aigner jedoch nicht, dass der Weltverband in einer finanziellen Notlage sei. "Man kann aber auch mit viel Geld in Schwierigkeiten geraten. Deshalb muss man haushälterisch arbeiten, ein Budget führen, die Finanzen sorgfältig verwalten und ein gutes Controlling durchführen. Das ist bislang nicht der Fall", kritisierte der Uefa-Generalsekretär.

In einer Pressemitteilung reagierte die Fifa am Freitag auf Aigners Äußerungen: "Fifa-Präsident Blatter hält dazu fest, dass die vorgelegten Zahlen sowohl vom Finanzkomitee als auch vom Exekutivkomitee der Fifa (davon sieben europäische Vertreter) verabschiedet worden sind. Falls noch weitere Fragen offen bleiben, werden diese von der Fifa nicht in einer öffentlichen Debatte, sondern im Rahmen der nächsten Sitzung des Exekutivkomitees der Fifa vom kommenden 5. Juli in Buenos Aires behandelt."

Zudem teilte die Fifa mit, dass Blatter nach dem Erlass einer Einstweiligen Verfügung durch das Berliner Landgericht "rechtliche Schritte prüft". Das Gericht hatte am Mittwoch dem Fifa-Präsidenten unter Androhung einer Geldstrafe von bis zu 500 000 Mark untersagt, die Behauptung zu wiederholen, dass die von ISMM/ISL in Liechtenstein gegründete Schwarzgeld-Stiftung eine "Stiftung der Familie Dassler" sei. Den Antrag dazu stellte Suzanne Dassler, die Tochter des ehemaligen Adidas-Chefs Horst Dassler und frühere Mitinhaberin von ISMM/ISL. Sie behauptet, von der 1997/98 eingerichteten Stiftung "im April 2001 aus der Presse und aus internen Verlautbarungen der ISMM/ISL-Leitung erfahren" zu haben. Zweck sei es gewesen, "im Zusammenhang mit dem Erwerb von Lizenzrechten (TV- und sonstige Vermarktungsrechte) für Sportveranstaltungen, wie zum Beispiel Fußball-WM, Schmiergelder an Verbandsfunktionäre zu zahlen". Sollte diese Darstellung stimmen, wäre es bei der Vergabe der WM-Rechte an ISMM/ISL für eine Summe von 2,2 Milliarden Schweizer Franken zu Unregelmäßigkeiten gekommen.

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