Uefa-Kür : EM-Pleite verbittert Italien

Überrascht, gekränkt und traurig - Favorit Italien war nach seiner Niederlage bei der Vergabe der Fußball-Europameisterschaft 2012 tief betroffen. Und sogleich begann die Suche nach den Schuldigen.

Rom/Cardiff - "Das ist eine Ohrfeige für den italienischen Fußball", klagte Liga-Präsident Antonio Matarrese. Italien fühlt sich als Opfer einer politischen Entscheidung. "Die Uefa hat den Nationen eine Chance gegeben, die erst vor kurzem zur europäischen Familie gestoßen sind", sagte Sportministerin Giovanna Melandri. Nach der ersten Enttäuschung gab sie sich in Cardiff jedoch gleich wieder kämpferisch: "Jetzt denken wir daran, diese EM auf dem Platz zu gewinnen."

Ein möglicher EM-Sieg 2012 ist weit, die Abfuhr von Cardiff dagegen ging Italien sehr nah: "Diese sportpolitische Entscheidung verbittert", gab Italiens Fußballverbandspräsident Giancarlo Abete zu. Allzu siegessicher waren die amtierenden Weltmeister nach Cardiff gefahren. "Platini gibt uns die EM 2012", hatte die "La Gazzetta dello Sport" noch voreilig getitelt.

Platini soll sich für WM-Finale gerächt haben

Dann folgten der jähe Absturz und die unausweichliche Suche nach den Sündenböcken: Matarrese griff Uefa-Präsident Michel Platini an. Mit seiner Wahl habe die Uefa "ihre Philosophie geändert". Alleanza-Nazionale-Fraktionschef Ignazio La Russa unterstellte dem Franzosen Platini offen "Rache für Frankreichs WM-Finalniederlage gegen Italien". Die Mitte-Rechts-Opposition in Rom nutzte die EM-Pleite zur Abrechnung mit der Regierung von Romano Prodi. "Italiens internationale Glaubwürdigkeit ist auf einem historischen Tiefpunkt angelangt", schimpfte Maurizio Lupi von der Forza Italia.

Dass der Liga-Manipulationsskandal, die monatelange Führungskrise des Fußballverbandes und die Gewaltexzesse Italien die EM gekostet haben könnten, davon sprach kaum jemand. Die EM-Pleite traf den Europameister von 1968 und viermaligen Weltmeister völlig unerwartet. "Damit hätte ich nicht gerechnet. Das ist eine schwere Niederlage", sagte Torwartlegende Dino Zoff, der Schwächen im Bewerbungsdossier vermutete.

Melandri verteidigte dagegen das Dossier. Neun Monate nach dem Gewinn der Weltmeisterschaft in Deutschland hatten die "Azzurri" fest damit gerechnet, nach den EM-Turnieren 1968 und 1980 sowie den Weltmeisterschaften 1934 und 1990 zum fünften Mal Schauplatz einer der größten Sportveranstaltungen der Welt zu werden. (Von Bernhard Krieger, dpa)

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