Sport : Uefa plant Lizensierungsverfahren: Der Wahnsinn soll gestoppt werden

Uefa-Boss Lennart Johansson malt ein düsteres Szenario. "Die Inflation bei Gehältern und Ablösesummen kann in einer Katastrophe enden, schließlich stehen schon viele europäische Spitzenklubs in den roten Zahlen", erklärte der schwedische Präsident der Europäischen Fußball-Union (Uefa).

Die Uefa denkt deshalb über ein europäisches Lizenzierungsverfahren nach, um Finanzhasardeuren an den Schaltstellen der Vereine das Handwerk zu legen. "Wir denken über ein System nach, dass nur Mannschaften zulässt, die eine positive oder zumindest ausgeglichene Bilanz vorlegen können", sagte der Uefa-Chef. Doch wie weit reichen die Sanktionen des Dach-Verbandes? Die Uefa selbst steht unter Druck. Klubs mit unsauberem wirtschaftlichen Gebaren, die keine Lizenz erhalten, könnten sich in einer "wilden" Konkurrenzliga organisieren.

Trotzdem dürfte Johansson mit seiner Einschätzung einem Uli Hoeneß aus der Seele gesprochen haben. "Wenn der FC Bayern so viel Schulden hätte wie Lazio Rom oder Real Madrid, könnte ich keine Minute mehr ruhig schlafen. Das ist ein Sammelsurium zusammengekaufter Spieler. Wenn das die Zukunft sein soll, ist das nicht mehr mein Geschäft", hatte der Manager des deutschen Rekordmeisters erklärt. Während der Doublegewinner aus Deutschland nach dem Grundsätz verfährt, nicht mehr Geld auszugeben als eingenommen wird, prassen andere Klubs, obwohl sie teilweise schon riesige Schuldenberge aufgehäuft haben.

Ein Paradebeispiel ist Champions-League-Sieger Real Madrid. Mit umgerechnet 430 Millionen Mark stehen die "Königlichen" in der Kreide, trotzdem leisteten sich die Madrilenen im Sommer in Luis Figo den teuersten Spieler der Welt. Der Portugiese wechselte für die Welt-Rekordablösesumme von 116 Millionen Mark vom FC Barcelona zu Real. Hoeneß sagt: "Schon Ablösen von 50 oder 60 Millionen Mark sind doch geisteskrank!" Der selben Meinung ist auch Welt- und Europameister Zinedine Zidane: "Ehrlich gesagt: Das ist einfach lächerlich. Es gibt offenbar keine Grenzen mehr." Sogar Figo selbst gestand ein, dass er selbst für sich niemals soviel Geld auf den Tisch gelegt hätte, auch wenn er die Summe besessen hätte.

Aber auch die Gehälter der Stars sind seit dem Bosman-Urteil von 1995 förmlich explodiert. Auch hier sitzen die Vereine oft am kürzeren Hebel. So musste der FC Barcelona im Poker um den brasilianischen Ausnahmkönner Rivaldo klein beigeben, der nach dem Weggang von Figo eine deutliche Gehaltsaufstockung gefordert hatte.

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