Uefa-Pokal : Europäische Einigung

Das Ziel fest im Blick: Der Karlsruher SC freundet sich damit an, in den Uefa-Pokal einzuziehen.

Oliver Trust[Karlsruhe]

Kurz vor dem Spiel gegen den VfL Wolfsburg saßen Mannschaft und Trainerteam des Karlsruher SC zusammen und besprachen die Lage. Dabei ging es nicht um Taktik und Freistöße oder Eckenvarianten. Vielmehr beschäftigte die Badener die Frage: Wie würde man sich in der Öffentlichkeit präsentieren, sollte man gegen Wolfsburg gewinnen? Nach dem 3:1 vom Samstag zeigte sich der Aufsteiger selbstbewusst – er wehrt sich nicht mehr dagegen, Europapokalkandidat zu sein.

„Die Mannschaft hat zum Ausdruck gebracht, sie würde mit dem Thema gerne offensiver umgehen“, sagt KSC-Trainer Edmund Becker. Als Fünfter der Tabelle nach 22 Spieltagen beschäftigen sich die Spieler mit dem Uefa-Cup. „Das dürft ihr gerne tun“, sagte Becker beim Strategiegespräch. „Aber dann spielt so auf dem Rasen und zeigt, ihr wollt.“ Er selbst will sich vorerst nicht an der neuen Öffentlichkeitsarbeit beteiligen. Interviews gibt er zwar, große Auftritte in Fernsehstudios aber lehnte er bisher ab. Becker wartet ab und tastet sich vorsichtig voran, um im Hintergrund die innerbetriebliche Temperatur regeln zu können. „Ich werde die Ziele sicher neu stecken, wenn wir 40 Punkte haben.“ Auch das gehört zur Politik eines Trainers, der sagt: „Man muss vorleben, was man verlangt. Das ist wie in der Erziehung. Ich kann nicht meinem 16 Jahre alten Sohn mit der Zigarette in der Hand sagen: Rauchen ist schädlich.“

Nun wird in Karlsruhe unter strenger Kontrolle des Trainers über den Uefa- Cup gesprochen, ohne den Eindruck zu vermitteln, es stecke ein Zwang dahinter. Dabei hilft die neue Lockerheit, die sich seit der Winterpause in Karlsruhe breit- macht. Mit dem Erfolg im ersten Rückrundenspiel über Nürnberg und dem 2:2 gegen eine Spitzenmannschaft wie Bayer Leverkusen (nach 0:2 Rückstand) war die Ungewissheit verschwunden, die ohne Bestätigungen auf dem Rasen entstanden war. „In einer solchen Pause kommen automatisch die Fragen, kannst du das bestätigen, was du in der Vorrunde gezeigt hast?“, sagt Becker. Auch die Wechselgerüchte um Führungsspieler hat der KSC weggesteckt. Bisher steht nur fest, dass Spielmacher Tamas Hajnal nach Dortmund geht. Der Sieg über Wolfsburg gelang ohne ihn, der Ungar war gesperrt.

Der KSC ist unter anderem so erfolgreich, weil Edmund Becker und Manager Rolf Dohmen Fußballer holten, die sich um jeden Preis beweisen wollen. „Es waren einige Spieler dabei, bei denen es woanders nicht geklappt hat“, sagt Becker, „sie wollten in Karlsruhe zeigen, dass sie gute Bundesligaspieler sein können.“ Zu dieser Gruppe kann man auch Joshua Kennedy zählen, der bei seinen Stationen in Wolfsburg, Köln, Dresden und Nürnberg nicht gerade als Torjäger aufgefallen war. Seitdem der Australier aus Franken nach Karlsruhe gewechselt ist, gelangen ihm vier Tore in fünf Spielen. Plötzlich hat der KSC zu seinen treffsicheren Abwehrspielern Mario Eggimann (vier Tore), Christian Eichner und Maik Franz (je zwei) einen erfolgreichen Stürmer.

Inzwischen bildet die Mannschaft des KSC eine Einheit. „Dass wir nach kleinen Rückschlägen immer aufstehen, war ein Prozess, der sich über drei Jahre abgespielt hat. Irgendwann hat die Mannschaft gemerkt, sie hat Potenzial und Kraft dazu und muss keine Kunststücke dafür vollbringen“, sagt Trainer Becker. „Man hat das Gefühl, dass einer für den anderen rennt. Wir sollten schauen, dass wir uns das bewahren.“ Dann könnte das Thema Europa in Karlsruhe bis zum Saisonende aktuell bleiben.

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