Sport : Uefa-Pokal: In der Top-Position

Klaus Rocca

"3 Mio. für ein Jahr. Röbers Vertrag perfekt", lautete gestern die Schlagzeile einer Boulevardzeitung. Und: "Röber wird reich." Jürgen Röber konnte darüber nur lächeln. Es sei überhaupt noch nichts perfekt, sagt Herthas Trainer. Ist er nicht ohnehin schon reich? Alles relativ.

Tatsache ist: Noch ist nichts in trockenen Tüchern. "Wir sind in Gesprächen. Verschiedene Punkte sind noch zu klären", sagt Manager Dieter Hoeneß. Zu denen gehört auch die finanzielle Seite. "Da müssen wir uns noch einigen", gibt Röber unumwunden zu.

Gestern, bei der Präsidiumsssitzung des Berliner Fußball-Bundesligisten, überreichte Hoeneß dem Präsidenten Bernd Schiphorst den Bericht über die bisherigen Verhandlungen mit dem Trainer. Schiphorst: "Natürlich habe ich meine persönliche Meinung. Aber ich werde mich hüten, vorher eine Wasserstandsmeldung abzugeben."

Sicher ist, dass Röber derzeit eine brillante Verhandlungsposition hat. Der zweite Tabellenplatz und sein Angebot, den am Saisonende auslaufenden Vertrag nur um ein Jahr zu verlängern, bringen ihn in eine "Top-Position" (Vizepräsident Jörg Thomas). Wenngleich Hoeneß beteuert, die Verhandlungen seien völlig unabhängig vom Tabellenstand. Mit Röber sei schon nach dem Desaster in Unterhaching über die Verlängerung des Kontraktes gesprochen worden. Bis zum 4. November wird voraussichtlich alles geklärt sein. Dann tagt der Aufsichtsrat des Vereins. Und dem will das Präsidium auch in der Trainerfrage vollendete Tatsachen präsentieren.

Dennoch betont das Präsidium, sich nicht unter Zeitdruck zu fühlen. "Uns drängt nichts", meint Hoeneß. Offenbar drängen ihn auch nicht die immer wieder aufkommenden Gerüchte, Bayer Leverkusen sei an Röber interessiert. "Ich habe mit Manager Reiner Calmund zuletzt beim Länderspiel in Hamburg gegen Griechenland gesprochen. Aber nicht über dieses Thema. Der hat im Moment auch andere Sorgen", beteuert Röber.

Vor Monaten, als das Thema beim Trainingslager in Kaprun schon einmal aufkam, war Röber noch erbost. Da hatte eine Boulevardzeitung berichtet, Leverkusen wolle Röber als Trainer haben. Was den Hertha-Trainer so sehr erboste, waren die - auch öffentlich niedergeschriebenen - Vermutungen, er selbst stecke dahinter, um sich bei Hertha in eine günstigere Verhandlungsposition zu hieven.

Auch damals ließen sich Hoeneß und seine Kollegen nicht beirren. "Wir sehen im Moment keinen Handlungsbedarf. Bis zur Weihnachtspause ist die Sache aber erledigt", sagte Hoeneß. Die Haltung des Präsidiums war klar: Man wollte sich ohne Not nicht schon zu so einem frühen Zeitpunkt länger an Röber binden. Schließlich galt es erst einmal abzuwarten, ob der bis zum Ende der Hinrunde mit der Mannschaft Erfolg hat. Zurzeit sieht es sehr danach aus.

Röber hat nie einen Zweifel daran gelassen, dass er sich in Berlin wohl fühlt. Erst kürzlich hat er eine neue Wohnung am Gendarmenmarkt bezogen. "Als ich hierher kam, haben alle über Hertha gelacht. Was wir in den letzten Jahren erreicht haben, ist schon beeindruckend." Wichtig ist für ihn auch die Perspektive. "Die habe ich mit Hertha", sagt er. Soll heißen: Noch fehlt die Deutsche Meisterschaft.

Seit dem 1. Januar 1996 ist Röber, der damals Karsten Heine ablöste, bei Hertha im Amt. Länger war nur Helmut Kronsbein Coach in Berlin. Kronsbein, der 1991 starb, betreute die Herthaner von 1966 bis 1974 und noch einmal 1979.

Heute könnte Jürgen Röber seine Position für die weiteren Vertragsgespräche noch verbessern. Mit einem klaren Sieg im Duell mit Polens Vertreter Amica Wronki (Anpfiff 18.30 Uhr, Olympiastadion) würde Hertha den Grundstein für den Einzug in die dritte Runde des Uefa-Pokals legen. Die Chancen stehen gut.

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