UI-Cup-Krawalle : Polen schämt sich

Nach den Krawallen im UI-Cup gibt es Zweifel an der Sicherheit im EM-Land. Die jüngsten Krawalle sind keine Ausnahme.

Paul Linke
UI-Cup
Gewalt ist kein Einzelfall: Polnische Hooligans stürmen in Wilna das Feld. -Foto: AFP

BerlinAls der europäische Fußballverband Uefa vor drei Monaten entschied, die Europameisterschaft 2012 in Polen und der Ukraine auszutragen, war der Jubel schier unbändig. „Das ist der wichtigste Tag in der Geschichte des polnischen Fußballs“, sagte der Präsident des polnischen Fußballverbands Michal Listkiewicz. Doch dann schon tauchten die ersten Zweifel auf. Werden es die Polen rechtzeitig schaffen, die noch fehlenden Stadien, Straßen und Hotels zu bauen? Wie steht es mit der Sicherheit? Und hier vor allem: Was ist mit den gewaltbereiten Fans, die immer wieder für negative Schlagzeilen sorgen? Seit Sonntagabend ist diese Frage wieder aktueller denn je.

Nach Ausschreitungen polnischer Hooligans beim UI-Cup-Spiel zwischen Gastgeber FK Vetra Vilnius und Legia Warschau musste die Partie beim Stand von 2:0 für die Litauer abgebrochen werden. Hunderte, teils mit Steinen bewaffnete Legia-Anhänger, stürmten in der Halbzeitpause den Platz und lieferten sich eine regelrechte Schlacht mit der Polizei. Erst als die wegen einer parallel stattfindenden Musikveranstaltung dezimierten Ordnungshüter eine Reiterstaffel in den Stadioninnenraum schickten, entspannte sich die Lage. Die traurige Bilanz: Vorläufig etwa 100 Festnahmen, sechs Verletzte, davon ein Polizist. Hinzu kommen Sachschäden, die Hooligans außerhalb des Stadions angerichtet haben. Bis in den späten Abend hinein wurden Autos, Fensterscheiben und ein Hotel demoliert und mehrere Supermärkte geplündert. „Ich bin schockiert, dass sich Menschen aus einem zivilisierten Land so verhalten. Das sind Wilde, die in einer normalen Gesellschaft nicht leben können. Mit Fans haben sie nichts gemein“, sagte Legias Präsident Leszek Miklas. Trainer Jan Urban gestand: „Wir müssen uns schämen.“ Der Verein sei auf jede Konsequenz seitens der Uefa vorbereitet.

Neben einer üppigen Geldstrafe, dem Ausschluss aus dem Europacup-Wettbewerb – womöglich für mehrere Jahre – und einem enormen Imageverlust droht dem Hauptstadtklub zusätzlich der Verlust der Sponsoren, schreibt die polnische Tageszeitung „Rzeczpospolita“. Um das gesamte Ausmaß der Gewalttaten bewerten zu können, hat das polnische Fernsehen angekündigt, sämtliche Bilder zur Verfügung zu stellen. Das bange Warten auf das Urteil der Uefa hat begonnen.

Was die Ereignisse von Vilnius indes für den polnischen Fußball und die EM-Vorbereitungen bedeuten, ist noch nicht abzusehen. Fest steht, dass fünf Jahre vor Beginn der Endrunde die Fragen nach der Sicherheit immer lauter gestellt werden. Schließlich sind die jüngsten Krawalle nicht die Ausnahme. „Ich erinnere mich an kein Spiel in Europa, nach dem wir keine Strafe zahlen mussten“, sagte Michal Listkiewicz. Peinlich sei das, wenn sogar in einem Lehrfilm der Uefa polnische Hooligans auftauchen.

Es wird Zeit für positive Schlagzeilen in Polen. Denn jetzt, da ganz Europa auf das Land schaut, scheint der wichtigste Tag des polnischen Fußballs in Gefahr zu sein.

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