Ukraine : Stille auf EM-Baustellen

In der Ukraine gibt es weiterhin große Probleme – der Deutsche Fußball-Bund könnte als Gastgeber für die Fußball-Europameisterschaft 2012 einspringen.

Knut Krohn[Warschau]

Grzegorz Lato hat ein grobes Foul begangen, finden sie beim ukrainischen Organisationskomitee für die Fußball-EM 2012. Jewgeni Willinsky, Sprecher des Komitees, wirft dem neuen Präsidenten des polnischen Fußballverbandes „nicht partnerschaftliches Verhalten“ vor. Dabei hat Lato nur ausgesprochen, was seit Monaten im Raum steht. Sollte die Ukraine Probleme bei der Vorbereitung auf das Turnier in vier Jahren haben, könnte Deutschland als Partner einspringen. Nach Informationen des Tagesspiegels gibt es beim Deutschen Fußball-Bund (DFB) bereits interne Überlegungen, bei einer möglichen Anfrage der Uefa Leipzig und Berlin als Ersatzspielorte anzubieten. Auf Nachfrage wollten sich weder DFB noch der europäische Verband Uefa dazu äußern.

Bereits im Juni war Michel Platini durch die Ukraine und Polen gereist, um sich nach dem Stand der Vorbereitungen zu erkundigen. Zu oft waren Horrormeldungen in die Uefa-Zentrale gedrungen. Was der Chef des europäischen Verbandes dann zu sehen bekam, stimmte ihn wenig hoffnungsfroh. Zwar wurde vor einigen Wochen in Dnjepropetrowsk mit viel Pomp das erste EM-Stadion eingeweiht, doch kann dies nicht über die Mängel hinwegtäuschen. Ein schwerer Schlag ist die Nachricht, dass in Lwiw der österreichische Bauträger abgesprungen ist und nun das Stadion wohl nicht rechtzeitig fertig wird. Doch nicht nur die Spielstätten stellen ein Problem dar. In der Ukraine ist das Flug- und Straßennetz in einem überaus schlechten Zustand. Zudem gibt es viel zu wenige Hotels für die Fans, Funktionäre und Spieler. Völlig ungelöst ist auch das Sicherheitsproblem mit der berüchtigten Hooligan-Szene im Osten Europas.

Zu den vielen bereits bestehenden Schwierigkeiten ist in diesen Wochen ein neues Problem gekommen. Inzwischen macht sich die internationale Finanzkrise bei den Bauarbeiten bemerkbar. An vielen Baustellen stehen die Maschinen still, da die Firmen von den Banken keine Kredite bekommen und den Unternehmen nun das Geld fehlt, um Material zu kaufen.

Schon nach seiner Visite im Sommer hatte Platini den Verantwortlichen ins Gewissen geredet. „Ihr habt noch viel zu tun und vier Jahre sind sehr, sehr wenig Zeit“, sagte der Uefa-Chef dem ukrainischen Präsidenten Viktor Juschtschenko. Der Staatschef und Premierministerin Julia Timoschenko hatten laut Platini danach „mündliche Zusagen“ über die Weiterentwicklung der Vorbereitungen gegeben. Doch kaum war der Uefa-Chef abgereist, schienen die vergessen. Seit Wochen tobt zwischen den beiden ein offener Machtkampf, der das Land im politischen Chaos versinken lässt.Meinungsseite

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