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Uli Hoeneß zurück beim FC Bayern : Ein Freigänger für die Revolution

Uli Hoeneß hat seinen neuen Job in der Nachwuchsabteilung der Bayern angetreten - als Freigänger und unbeobachtet von der Öffentlichkeit, aber mit großen Plänen.

Coming home. Uli Hoeneß, hier ein Bild aus früheren Tagen, ist zurück beim FC Bayern, zumindest tagsüber.
Coming home. Uli Hoeneß, hier ein Bild aus früheren Tagen, ist zurück beim FC Bayern, zumindest tagsüber.Foto: dpa

Um kurz vor acht Uhr verschwand das Auto mit dem ehemaligen Präsidenten in der Tiefgarage. Uli Hoeneß ist seit Montagfrüh zurück, als Freigänger hat er an seinem 63. Geburtstag seinen neuen Job in der Jugendabteilung des FC Bayern München aufgenommen, aber erst einmal unbeobachtet von der Öffentlichkeit. Von seinem alten Büro aus wird er dort anpacken, wo es beim Meister noch am meisten zu tun gibt. „Die totale Revolution“, die Hoeneß vor zweieinhalb Jahren, noch lange vor seinem Steuer-Prozess, als damals noch unbescholtener Aufsichtsrat versprochen hatte, ist weitgehend abgeschlossen, nur in der Nachwuchsabteilung sind die Münchner noch mittendrin.

Die Liga erlebt gerade einen Strategiewechsel bei den Bayern. Es ist gerade mal etwas mehr als ein Jahr her, da hat der Chef eines Bundesligaklubs gesagt: „Die Bayern brauchen kein Scouting, die gucken Sportschau.“ Anderswo in der Republik war man längst weiter. Bayer Leverkusen zum Beispiel hat sich die hoffnungsvollen Talente Julian Brandt (aus Wolfsburg) und Levin Öztunali (vom HSV) gesichert. Die Bayern verfolgten einen anderen Ansatz: Sie haben der Konkurrenz lieber die besten fertigen Spieler weggekauft. Nicht, dass sie das nun sein lassen, aber in Zeiten in die Höhe schnellender Ablösesummen reifte auch an der Säbener Straße die Erkenntnis, dass es billiger ist, Talente in den eigenen Reihen auszubilden, oder ihnen zumindest den letzten Schliff zu verpassen, als später teuer einzukaufen. Sie erkannten zudem, dass es trotz weltweiter Vermarktung wichtig ist, Identifikationsfiguren aus München oder wenigstens Oberbayern in der Mannschaft zu haben.

Philipp Lahm, Bastian Schweinsteiger und Thomas Müller bilden das bayerische Herz des Klubs. Neben diesen drei Spielern waren aus dem aktuellen Kader noch Holger Badstuber, Pierre-Emile Höjbjerg, David Alaba und Jungprofi Gianluca Gaudino bereits in der Jugend beim FC Bayern beschäftigt. Allerdings lagen zwischen Schweinsteigers Sprung in die erste Mannschaft 2003 bis zu dem von Gaudino 2014 elf Jahre, und dann ist die Quote nicht mehr ganz so gut, wie auch die Ausbeute bei den Junioren-Meisterschaften in den vergangenen Jahren. Den letzten Titel gab es 2007, und beim Sieg des deutschen U-19-Teams im vergangenen Sommer war kein einziger Spieler des FC Bayern dabei.

Trotzdem sieht Bayerns Nachwuchskoordinator, der frühere Profi Michael Tarnat, die Münchner vorn in Deutschland. Er spricht von „der höchsten Durchlässigkeit in der Bundesliga“, weil es zwar nicht sehr viele zu den eigenen Profis schaffen, aber dafür zu anderen Klubs.

In den vergangenen beiden Jahren ist einiges passiert im Münchner Junior Team. Es gibt einige neue Trainer, wie zum Beispiel Heiko Vogel und Heiko Herrlich, es gibt einen neuen Chefscout – und es gibt seit vergangenem Sommer Michael Reschke. Als Technischer Direktor soll er Sportvorstand Matthias Sammer unterstützen, aber noch wichtiger ist den Münchnern, dass der 57-Jährige sich bei Bayer Leverkusen den Ruf erworben hat, immer wieder Talente aufzuspüren. „An der Personalpolitik entscheidet sich die Zukunft des Klubs“, sagte Reschke.

Damit der Übergang in ein paar Jahren, wenn die Lahms, Schweinsteigers, Ribérys und Robbens abtreten, möglichst reibungslos verläuft, müssen jetzt die Weichen gestellt werden. Reschke und sein Gespür für Talente ist auch deshalb für die Münchner Geld wert, weil das Geschäft mit Hochbegabten eine neue Stufe erreicht hat. Auch die Münchner beteiligen sich an diesem Spiel. Angeblich sieben Millionen Euro bezahlt der FC Bayern für Joshua Kimmich an den VfB Stuttgart. Der 19-Jährige, der derzeit an RB Leipzig ausgeliehen ist, wechselt im Sommer zum Rekordmeister.

Schon im Sommer haben die Bayern den 18 Jahre alten Junioren-Nationalspieler Sinan Kurt von Borussia Mönchengladbach verpflichtet. Sein Wechsel hat einigen Wirbel verursacht. Die Gladbacher hätten den Offensivspieler gerne behalten. Der Klub konnte zwar eine recht ansehnliche Ablöse (1,5 Millionen Euro sofort, plus 3 Millionen erfolgsabhängige Nachzahlungen) für den 18-Jährigen einstreichen, der noch kein einziges Profispiel bestritten hat. Trotzdem hat sich Gladbachs Sportdirektor Max Eberl über den Verlust Kurts und die Umstände seines Wechsels sehr geärgert.

Dass die Bayern nun auch verstärkt Talente verpflichten, sieht Eberl generell mit Unbehagen. „Man sollte den Wettbewerb im Fußball schon am Leben halten“, sagt er. „Ich habe kein Problem damit, wenn die Großen von den kleineren Vereinen Topspieler kaufen. Mit den Erlösen können die kleinen Klubs dann wieder gute Arbeit machen. Wenn das durchbrochen wird und die kleineren Klubs nichts mehr bekommen, ist das für den ganzen Wettbewerb kontraproduktiv.“

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Das nächste Talent, das die Bayern im Blick haben, ist der 16-Jährige Martin Ödegaard aus Norwegen, der im Dezember durch Europa tourte, um sich den interessierten Topklubs zu präsentieren. „Ich will den Begriff Jahrhunderttalent vermeiden – aber Martin Ödegaard ist ein sehr großes Talent“, sagt der Vorstandsvorsitzende Karl-Heinz Rummenigge. Es wäre ein Prestigesieg, würde sich der offensive Mittelfeldspieler für den FC Bayern entscheiden. Aber auch wieder ein Schritt weg von der bayerischen Identifikation.

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