Sport : Ullrich Etappensieger

Ciudad Rodrigo

Marcel Wüst verlor sein Spitzenreitertrikot, und Jan Ullrich feierte mit seinem ersten Saisonsieg 1999 ein bemerkenswertes Comeback. Die fünfte Etappe der 54. Spanien-Rundfahrt, auf der am Donnerstag von Bejar nach Ciudad Rodrigo die ersten vier ernsthaften Steigungen bewältigt werden mussten, überschlugen sich nicht nur aus deutscher Sicht die Ereignisse. Platz zwei nach 160 km genügten Vorjahressieger Abraham Olano (Spanien) zum Sprung an die Spitze des Gesamtklassements und beendete die Regentschaft des 32-jährigen Kölner Sprinters. Ullrich schob sich mit zehn Sekunden Rückstand vom 22. auf den zweiten Rang vor. Im Einzelzeitfahren am heutigen Freitag über 51 Kilometer in Salamanca könnte es vielleicht sogar einen Wechsel zu Gunsten Ullrichs geben.

Während Wüst nach seinem Vuelta-Superstart erwartungsgemäß zurückfiel, macht Jan Ullrich einen immer stärkeren Eindruck. Der Toursieger von 1997, der in diesem Jahr nach Krankheiten, Verletzungen und Motivationsproblemen nie auf der Höhe seiner Fähigkeiten war, scheint sich vier Wochen vor den Weltmeisterschaften in Italien seiner Top-Form zu nähern. Der 25-jährige Telekom-Kapitän fuhr in einer 25-köpfigen Spitzengruppe, der außer Alex Zülle alle Favoriten angehörten. "Ich wusste, dass er stark ist. Aber so stark - das hat mich auch gewundert", war die erste Reaktion des Telekom-Teamleiters Rudy Pevenage nach Ullrichs Überraschungssieg.

"Dass ich das Trikot verlor, ist keine Überraschung für mich. Die Berge sind nun mal nicht meine Welt. Trotzdem war für mich ein Traum in Erfüllung gegangen", haderte Wüst, der an den Vortagen drei Etappen am Stück gewonnen hatte, nicht mit seinem Schicksal. Die Frohnatur aus dem Rheinland hatte sine Fans via Internet seit Mittwochabend mit einem originellen Spruch gegrüßt: "Auch wenn es euch langweilt: Ich habe schon wieder gewonnen", war nach seinem dritten Etappensieg zu lesen.

Einen rabenschwarzen Tag erlebte der Tourzweite Zülle, der am Portillo einen Einbruch erlebte, von dem er sich nicht mehr erholte. Damit hat sich der Schweizer Favorit, nach seiner Dopingsperre erst seit 1. Mai wieder startberechtigt, schon früh aus dem Kreis der Sieganwärter der diesjährigen Vuelta gefahren. Er verlor über fünf Minuten. Jetzt ist sein Teamkollege Jose-Maria Jimenez (Spanien), im Vorjahr Dritter und im gesamten Fahrerfeld wahrscheinlich der stärkste Kletterer, die Nummer eins der spanischen Banesto-Mannschaft.

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