Sport : Ullrich rollt an

Der Tour-Sieger von 1997 wird bei Coast unterschreiben

Christian Hönicke

Berlin. Auf einmal geht alles ganz schnell. Nach monatelangen Verhandlungen soll Jan Ullrich nun Anfang nächster Woche beim deutschen Radsportteam Coast anheuern. Den letzten Anstoß gegeben hat dabei die UCI. Der Internationale Radsport-Verband machte den Weg für den 29-jährigen Olympiasieger zu den Essenern frei, indem er Coast die Lizenz zum Fahren in der ersten Liga der stärksten 30 Profi-Teams erteilte.

„Am Dienstag oder Mittwoch werden wir unterschreiben“, sagte am Samstag der ehemalige Telekom-Teamchef Rudy Pevenage, der bei den Bonnern gekündigt hatte, um Ullrich weiter begleiten zu können. „Ja, das könnte passieren“, bestätigte Ullrichs Manager Wolfgang Strohband. „Allerdings müssen erst noch einige Dinge geklärt werden.“ Welche Dinge das genau sind, wollte er nicht sagen, es seien aber „nur Kleinigkeiten“. Dennoch sind sie offenbar Grund genug, sich bis zuletzt alle Möglichkeiten offen zu halten. Strohband: „Wir haben auch noch Optionen bei anderen Rennställen.“

Sein Klient hingegen glaubt wohl nicht mehr, dass der Deal noch platzt. „Ich freue mich, dass Coast die Lizenz erhalten hat und endlich ein bisschen Ruhe einkehren wird“, sagte Ullrich, der wegen seines positiven Doping-Befundes vom Juni noch bis zum 23. März gesperrt ist. Einen Tag nach Ablauf der Sperre soll der Toursieger von 1997 bei der Katalanischen Woche in Spanien wieder fahren, wenn sein Trainingsaufbau nach zwei Knie-Operationen weiter positiv verläuft.

Genau dieses Knie dürfte jedoch einer der Punkte sein, die laut Strohband noch einer Klärung bedürfen. Ullrich wird sich einer ausgiebigen medizinischen Untersuchung unterziehen müssen. Schließlich will Coast sicher sein, einen potenziellen Tour-Sieger zu verpflichten und nicht einen angehenden Sportinvaliden. Immerhin geht es um sieben Millionen Euro. Das ist die Summe, die die Essener angeblich für Ullrich, Strohband, Pevenage sowie Ullrichs Trainer Peter Becker und Trainingspartner Tobias Steinhauser ausgeben wollen.

Wenn alles klappt, kann Ullrich, der seit November für sein Comeback trainiert, schon am Donnerstag zusammen mit seinem neuen Team ins Trainingslager nach Gandia in Spanien fahren. Dort kann er seine künftigen Kameraden kennen lernen: den Vuelta-Sieger von 2001, Luis-Angel Casero, den Deutschland-Tour-Gewinner David Plaza, Aitor Garmendia und den zweimaligen Tour-Zweiten Alex Zülle. Sie haben den Coast-Rennstall einst in die Weltspitze geführt und dürfen sich nun noch ein paar Tage als Stars fühlen. Bis Ullrich kommt

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