Sport : Ullrichs Blutspur

Laut Bonner Staatsanwaltschaft stammt das in Spanien gefundene Blut vom früheren Radprofi

-

Berlin - Die Staatsanwaltschaft Bonn hat keinen Zweifel mehr: Als spanische Behörden im vergangenen Jahr beim mutmaßlichen Dopingarzt Eufemiano Fuentes Blutkonserven fanden, war auch Blut des früheren Tour-de-France-Gewinners Jan Ullrich dabei. Ullrichs DNS und die der spanischen Blutprobe stimmten überein. Dieses Ergebnis gab Fred Apostel, der Sprecher der Bonner Staatsanwaltschaft, gestern bekannt. Insgesamt neun Blutkonserven könnten Ullrich zugeordnet werden.

Die Staatsanwaltschaft ermittelt gegen Ullrich wegen Betrugs gegen seinen ehemaligen Arbeitgeber T-Mobile. Ullrich hatte T-Mobile gegenüber schriftlich versichert, nie gedopt und nie mit Fuentes zusammengearbeitet zu haben. „Wir wollten damals eine Unbedenklichkeitserklärung“, sagt T-Mobile-Sprecher Christian Frommert. Weil T-Mobile Zweifel an Ullrichs Glaubwürdigkeit hatte, suspendierte das Radsportteam den Kapitän zunächst und entließ ihn dann (siehe Interview). Der Verdacht war nach der „Operacion Puerto“ im Mai 2006 aufgekommen. Die spanische Guardia Civil hatte bei Fuentes Blutkonserven mit der Aufschrift „Jan“ und „Hijo Rudicio“ (Rudys Sohn – Ullrichs sportlicher Mentor ist Rudy Pevenage) gefunden. Ullrich und weitere Fahrer wurden von der Tour de France ausgeschlossen, der größte Skandal in der Geschichte des Radsports nahm seinen Lauf.

Über das Ergebnis des DNS-Abgleichs hat die Staatsanwaltschaft schon Ullrichs Verteidiger informiert. „Ich habe ein großes Problem mit der strafprozessualen Verwertbarkeit dieser Ergebnisse“, sagte Ullrichs Anwalt Peter-Michael Diestel dem Tagesspiegel. Gemeinsam mit seinen Kollegen werde er genau untersuchen, woher die spanischen Blutproben stammen und ob eine Manipulation vorliege. Doch selbst wenn das Blut von Ullrich stamme, sieht Diestel keine Konsequenzen für seinen Mandanten. „Es ist im Hochleistungssport üblich, dass eine Vielzahl von Ärzten über die Blutproben eines Athleten verfügen.“ Strafrechtlich relevant werde es erst, wenn Ullrich nachgewiesen werden könne, dass er sein Blut bei Fuentes mit der Absicht abgegeben hätte, es manipulieren zu lassen, also zu dopen. „Ich bestreite nicht, dass es möglicherweise Blutkonserven bei Ärzten gibt, aber wir bestreiten den Vorwurf des Betrugs“, sagte Diestel. Dass Ullrich seinem damaligen Arbeitgeber schriftlich versichern sollte, nie mit Fuentes zusammengearbeitet zu haben, stuft Diestel als rechtswidrig ein. „Es herrscht nun einmal freie Arztwahl, und es geht einen Arbeitgeber nichts an, von wem man sich behandeln lässt.“ Ein Betrug sei Ullrich aus dieser Erklärung jedenfalls nicht abzuleiten.

Durch die Mittelung der Staatsanwaltschaft steht nun allerdings Ullrichs Glaubwürdigkeit in Frage. Doch auch das ist für Diestel von nachrangiger Bedeutung. „Jan Ullrich ist Radfahrer. Es ging darum, dass er Rennen gewinnt. Die Glaubwürdigkeit spielt dabei keine Rolle. Um Schönheitspreise kämpfen wir nicht.“ Ullrich hatte im Februar seinen Rücktritt erklärt.

Rudolf Scharping, der Präsident des Bundes Deutscher Radfahrer, sagte nach dem DNS-Ergebnis: „Das bestätigt die schlimmsten Befürchtungen.“ Die Staatsanwaltschaft hat bereits angedeutet, über weitere Indizien zu verfügen. Ob und wann es zu einer Anklage kommt, konnte Staatsanwalt Apostel nicht sagen. Eine erste Konsequenz gibt es jedoch schon: Das österreichische Team Volksbank, für das Ullrich als Berater und Repräsentant arbeiten sollte, verzichtet erst einmal auf seine Dienste. mit dpa

0 Kommentare

Neuester Kommentar