Sport : Ullrichs Comeback

Bei der Sarthe-Rundfahrt an der Seite von Armstrong im Ziel

Hartmut Scherzer

Fontenay-le-Comte. Da staunten die Radprofis – Jan Ullrich bot bei seiner Rückkehr auf die Rennstrecke eine eindrucksvolle Leistung. Als wäre er nicht 14 Monate weg gewesen, bewältigte er im Coast-Trikot bei der Sarthe-Rundfahrt die 188,4 Kilometer der ersten Etappe. Knapp sechs Minuten hinter zwei Ausreißern – Sieger wurde der Franzose Carlos da Cruz – erreichte Ullrich als 22. in der großen Verfolgergruppe an der Seite Lance Armstrongs (26.) das Ziel. Auch am einzigen Berg vierzig Kilometer vor dem Ziel hielt der Rückkehrer mühelos das forcierte Tempo der Favoritengruppe mit. Und als bei Seitenwind ein Feld von 38 Fahrern auseinanderriss, schloss Ullrich die 200-Meter-Lücke zu Armstrong. „Das Finale war schwer, denn es wurde sehr schnell gefahren. Die Beine haben mir gebrannt", sagte Ullrich und fügte mit einem glücklichen Lächeln hinzu. „Aber es war auch sehr schön."

Am Dienstag um 10.20 Uhr war Ullrich auf der windigen Loire-Insel in Nantes auf die Bühne des Radsports zurückgekehrt. Auf dem Podium, flankiert von seinen neuen Teamgefährten Niki Aebersold, Thorsten Rund, Steffen Radochla, Sven Teutenberg und Tobias Steinhauser, trug sich der einstige Telekom-Kapitän in die Startliste ein. Marktschreierisch stellte Tour-Sprecher Daniel Mangeas den Deutschen mit all seinen Titeln und Triumphen vor. Die rund fünfhundert Zuschauer applaudierten begeisterter als später bei Lance Armstrong. „Shake hands" in der ersten Reihe und „small talk" zwischen den beiden Rad-Stars verliehen der Fahrt im Westen Frankreichs einen Hauch von Tour de France. „Welcome back", begrüßte Armstrong den Deutschen und gratulierte zur bevorstehenden Vaterschaft.

Auf den Startzetteln blieben beim Team Coast die Nummern 105 und 106 blank. Denn bis zuletzt war trotz aller Beteuerungen von Ullrich-Manager Wolfgang Strohband und des Sportlichen Leiters Rudy Pevenage, der Start Ullrichs fraglich. Nur mit einer provisorischen Genehmigung des Weltverbandes UCI „im Interesse des Fahrers", so die Verlautbarung, durfte der 29-Jährige wieder wettkampfmäßig in die Pedalen treten.

Mit einer ungewissen Zukunft, denn während das Peloton gegen den steifen Gegenwind vom Atlantik ankämpfte, tagte in Aigle (Schweiz) die UCI erneut wegen der finanziellen Schwierigkeiten und des organisatorischen Durcheinanders in der Mannschaft des Essener Textilunternehmers Günther Dahms. Coast hatte erst im zweiten Anlauf die Lizenz für 2003 erhalten und war im März wegen finanzieller Ungereimtheiten für zwei Wochen gesperrt worden. Nun fehlte bis zuletzt eine Bankbürgschaft über drei Monatsgehälter für Ullrich. Erst die Absichtserklärung des italienischen Fahrrad-Fabrikanten und Coast-Ausrüsters Bianchi, finanziell einzuspringen, hatte die UCI zu einer Sondererlaubnis bewogen.

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